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Katharina aber, das Mädchen in dem grossen Hauseihm gerade gegenüber, quälte sich ab mit dem Schnee-fegen. Immer, wenn sie eine Stelle rein hatte, warer an einer andern Stelle wieder zusammengeweht.Endlich ging sie mit blau gefrorenen Wangen undganz steifen Händen ins Haus und schalt über dasUnwetter, klopfte sich den Schnee von den Schulternund schüttelte ihr Kopftuch ab. Ja, das war einrichtiges Unwetter.
Aber drinnen, am warmen Ofen, merkte mannichts davon. Da sassen sie, hörten nach draussenauf das Wehen des Windes und auf das Gerieselder Flocken gegen die Fensterscheiben. Die Mutterstrickte, Eduard las in seinem Indianerbuch, undKlara machte ihrer Puppe ein neues Kleid. „Hörtnur mal,“ sagte die Mutter, „wie er da wieder umdie Ecke bläst; gut, dass wir nicht hinaus brauchenund gemütlich hier sitzen können. Aber wenn mansolch ein Unwetter toben hört, dann kann man essich kaum denken, dass jetzt, wo wir hier unter Eisund Schnee sitzen, in Afrika die Sonne heisser scheintals bei uns im Sommer und die Menschen schwarz-braun brennt und den Boden austrocknet, dass erhart und rissig wird und kein Halm mehr darausaufwachsen kann.“ O,“ sagte Eduard, „ich möchtejetzt auch in Afrika sein,“ und er guckte in die roteGlut, die durch das Ofenglas hindurchschimmerte,und träumte von den Negern mit ihren vergiftetenPfeilen und von wilden Löwen und Tigern, die erschiessen wollte.
Klingling, sagte die Glocke an der Haustür.Klara stand auf und rief den Flur hinaus: „Werist da?“ „Ich bin’s,“ sagte eine tiefe Stimme. Eswar der Vater. Er klopfte sich den Schnee von dem