Buch 
Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Der Pilger. Christoph Schmid.

In einem schönen Schlosse, von dem schon längst keinStein auf dem andern geblieben ist, lebte einst ein reicherRitter. Er verwandte sehr viel Geld darauf, sein Schloß rechtprächtig auszuschmücken, den Armen aber tat er wenig Gutes.Da kam einmal ein armer Pilger in das Schloß und bat umNachtherberge. Der Ritter wies ihn trotzig ab und sprach:Dieses Schloß ist kein Gasthaus. Der Pilger sagte: Erlaubtmir nur drei Fragen, so will ich wieder gehen. Der Rittersagte: Auf diese Bedingung hin mögt Ihr immer fragen; ichwill Euch gern antworten. Der Pilger fragte nun: Werwohnte doch wohl vor Euch in diesem Schlosse? Mein Va-ter, sprach der Ritter. Der Pilger fragte weiter: Wer wohntevor Eurem Vater da? Mein Großvater! antwortete derRitter. Und wer wird wohl nach Euch darin wohnen?fragte der Pilger weiter. Der Ritter sagte: So Gott will.mein Sohn! Run sprach der Pilger: Wenn jeder nur seineZeit in diesem Schlosse wohnt und immer einer dem andernPlatz macht, was seid Ihr denn anders hier als Gäste? DiesesSchloß ist also wirklich ein Gasthaus. Verwendet darum nichtsoviel, dieses Haus prächtig auszuschmücken, das Euch nurkurze Zeit beherbergt. Tut lieber den Armen Gutes, so bautIhr Euch eine bleibende Wohnung im Himmel. Der Ritternahm diese Worte zu Herzen und behielt den Pilger überNacht.

Tauwetter. Anna Klie.

Die Sonne scheint, der Himmel blaut!

Juchheissassa! Es taut, es taut!

Schon rutscht der Schnee vom Gibeldach,und immer plumpst noch welcher nach!

Der Schneemann duckt sich klein und krumm;ich glaube, nächstens fällt er um.

Der Tauwind weht, die Sonne scheint!

Die alte Regentonne weintder Efeu an der Mauer,der weint ein ganzes Schauer!