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Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Zeiten für die Sarganser und Werdenberger Grafen. Sie zogennicht mehr so oft in Kampf und Fehde, sondern ritten friedlichdurchs Land, um nach ihren Besitzungen zu sehen. Gerade indiesen stillen Zeiten aber bekamen sie durch Kauf und Erbschaftnoch mehr Gebiete und wurden noch mächtiger und reicher alsvorher. Sie waren jetzt die mächtigsten Herren weit herum.

Und sie wären so mächtig geblieben, wenn sie zusammen-gehalten und den Österreichern weniger getraut hätten. Die hat-ten nämlich böse Pläne; sie wollten nach und nach das Werden-berger- und das Sarganserland unter ihre Herrschaft bringen.Diese Gebiete lagen eben zwischen ihren Besitzungen in Öster-reich und denjenigen in den Vorlanden der Eidgenossenschaft:Weesen, Rapperswil, Aargau; sie waren die Brücke von den einenzu den andern und darum für die Österreicher sehr wichtig.

Der letzte Werdenberger. Auf Schloss Werdenberg herrschteGraf Rudolf. Wenige Jahre nach der Schlacht bei Näfels kamböse Kunde zu ihm. Seine nächsten Verwandten, Graf Johannvon Sargans und Graf Heinrich von Vaduz, hatten mit dem Abtvon Pfäfers und Herzog Leopold IV. von Österreich einen Bundgegen ihn geschlossen. Sie wollten ihn aus seinen Besitzungenvertreiben und sein Gebiet unter sich verteilen. Im Jahre 1395brach das Kriegsgewitter über Graf Rudolf herein. Herzog Leo-pold eroberte mit seinem Kriegshaufen Stadt und Burg Rheineck.Die waren nun österreichisch und bald darauf das ganze untereRheintal. Zu gleicher Zeit zogen Feldkircher über Lienz undGrabs vor das Schloss Werdenberg, und von Buchs her mar-schierten die Reisigen des Bischofs von Chur; Graf Hans vonSargans nahm die Burg Wartau. Zwar wurden Schloss undStädtchen Werdenberg, wo Graf Rudolf selber die Verteidigungleitete, nicht erobert; aber dieser musste mit dem ÖsterreicherFrieden Schliessen und ihm einige Gebiete abtreten. Noch besassder Werdenberger seine Stammburg; doch auch daraus wurdeer durch seinen ländergierigen Gegner vertrieben, und schliess-lich war er ein Ritter Habenichts. In seiner Not wanderte erüber die Berge nach Appenzell. Die Bergleute kämpften geradegegen den Abt von St. Gallen und die Österreicher. Sie ver-sprachen, ihm wieder zu seinem Besitztum zu verhelfen. In einem