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Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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vom Scheitel des Berges Atzmänig ein gewaltiger Erdklotzlos und stürzte talwärts. Das Poltern der losgerissenenErdmassen, das Rollen der mächtigen Nagelfluhfelsen wardüber zwei Stunden weit gehört. War das ein schrecklicherÜberfall, ein entsetztes Auffahren und Fliehen. Wenige ent-rannen mit knapper Not. Sechszehn Personen fanden einjähes Ende. Ein weites Grab auf dem Friedhofe des nahenSt. Gallenkappel nahm sie alle auf. Dort steht ein großes,steinernes Denkmal als Zeuge jenes schrecklichen Morgens.Hoch oben am Kopfe des Atzmänigs aber sieht man heutenoch die mächtige Narbe. Sie mag 150 Meter breit sein. Und810 Meter tief hatte sich das Erdreich gelöst.

Dom alten Seesteg und vom Seedamm bei Rapperswil.

Nach Benz u. Zach.

Im Jahre 1358 fing Herzog Rudolf von Österreich, Al-brechts ältester Sohn, an, von Rapperswil über den Seenach Hürden hinüber eine hölzerne Brücke zu schlagen. Erberief dazu tüchtige Baumeister, ließ überall die Tiefe desSees messen und Bäume in den nahen Waldungen fällen.Er brauchte zur Brücke 1316 Stücke eichenes Holz und unge-zählte tannene Bretter. Geschickte Hände bauten hieraufden Steg, und er erhielt eine Länge von mehr als 1500Metern. Durch ihn sollte der Verkehr mit dem GotteshausEinstedeln, mit den Waldstätten und gegen Italien hin er-leichtert werden. Der Herzog setzte einen Zoll fest, um darausdie Kosten für den Unterhalt der Brücke zu decken. DurchJahrhunderte stand sie. In kriegerischen Zeiten wurde siezwar mehrmals zerstört, aber immer wieder aufgebaut undals ein großes Werk angestaunt.

Aber das Überschreiten der geländerlosen Brücke war beiNacht und Nebel wie bei heftigem Sturm nicht ungefährlich.Fast jedes Jahr stürzten Personen und Fuhrwerke in denSee.

Die alte Holzbrücke genügte in neuerer Zeit nicht mehr.Und als der Plan auftauchte, eine Eisenbahn über den Seezu führen, reifte der Entschluß, an Stelle der hölzernen Brückeeinen steinernen Damm zu bauen.