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Lesebuch für die Primarschulen des Kantons Solothurn : fünftes Schuljahr / bearb. im Auftr. des Erziehungs-Departementes durch die kantonale Lehrmittelkommission
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«Außerdem mache ich die Erde zurecht, damit das Grasund die Blumen und Bäume wachsen und gedeihen können.Ich bereite die fruchtbare Ackererde.»

«Ist das der Dreck, in dem man watet?» fragte derStorch.

«Verzeiht, wenn ich widerspreche,» erwiderte der Regen-wurm ehrerbietig; «aber Ihr dürft das nicht Dreck nennen.Es ist die fruchtbare Erde, in der alle Pflanzen wachsen;und von den Pflanzen leben die Insekten, und von den In-sekten leben die Frösche, und die geruht ja sowohl Ihr wieEure Familie zu verspeisend

«Glaubst du, das wüßte ich nicht alles?» fragte derStorch, zog dabei das Bein unter sich ein und starrte vor-nehm in die Luft. «Ich will dich bloß auf die Probe stellen.Wie machst du denn diese wie nanntest dus doch?»

«Ackererde,» sagte der Regenwurm. «Ich trage die Erde,die am tiefsten liegt, zur Luft, zur Sonne und zum Regenhinauf; und die, die oben liegt, trage ich hinunter. So mischeund vertausche ich, und dann wird Ackererde daraus.»

«Sehr vernünftig!» sagte der Storch. «Was dann weiter?»

Der Regenwurm kroch eifrig näher und erzählte; denner war es nicht gewohnt, daß jemand Lust hatte, ihm zu-zuhören.

«Habt Ihr nicht bemerkt, daß die welken Blätter zu-weilen zusammengerollt auf der Erde stehen wie eine Düte,mit der Spitze nach unten? Das ist mein Werk. Ich tu esin der Nacht, wenn es dunkel und still ist, und niemandmir etwas zuleide tut. In der nächsten Nacht ziehe ich weiterdaran; und das setze ich fort, bis das Blatt ganz in dieErde hinabgezogen ist. Dann mache ich Erde daraus.»

«Hm, hm!» sagte der Storch. «Du weist dich ja in einganz gutes Licht zu rücken, wenn du erst einmal in Gangkommst. Ich habe wirklich Mitleid mit dir.»

«Tausend Dank, Hochwohlgeboren!» sagte der Regen-wurm und wand sich. «Seht, es gibt für einen Regenwurmnichts Schöneres, als an einem feuchten Sommerabend nach