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Lesebuch für das fünfte Schuljahr / bearb. von der thurgauischen Lehrmittelkommission [Alfred Weideli ... et al.]
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Bilder aus der Schweizergeschichte.

1. Am 1. August.

Dem arbeitsvollen Sommertag folgte ein milder Feierabend.Auf dem Feld, in den Scheunen, in den Fabriksälen, überall ruhtendie sonst so fleißigen Hände. Die Sonne sank hinter die dunkel-grünen Hügel. Der Abendhimmel glühte in goldener Pracht.

Aber in dem Dorfe, das vom Seerücken freundlich ins Thurtalherabschaut, war es in dieser Stunde noch nicht so still wie gewöhn-lich. Die Männer standen in Gruppen beisammen. Auf den Bänkenvor den Häusern saßen die Frauen und Töchter mit vergnügtenMienen und riefen sich zu:

Ein schöner Abend! Sie sind hinaufgegangen, die Buben undMädchen, zum Bühel und zünden nach Sonnenuntergang dem altenSchweizerbund zu Ehren ein Feuer an. He, Großmutter, wir singennoch ein Lied, eines von den schönen alten! Und die noch rüstige Greisinstimmte an:

Nimm deine schönsten Melodienaus tiefster Brust hervor!

Laß sie dein Sinnen auswärts ziehen,du froher Sängerchor!

Dem Vaterland soll's klingendas Sängerwort,soll durch die Wolken dringenzum Vaterort.

Die Buben standen schon oben, auf dem Hügel mit aussichts-reicher Wiese. Ein Hausen Holzbüschel und Reisig lag da; mittendrin stand eine Tanne mit nadelgrünem Wipfel. Sie hatten sie mitStroh umwickelt und oben ein lustiges Fähnlein aufgepflanzt. WelchGesumme ringsum! Jetzt wurden sie still. Sie schauten alle hinabins dämmrige Tal, wo ein scheidender Sonnenglanz flimmerte.