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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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mals Helvetien keinen einheitlichen Staat, sondern war in eine Mengekleinerer oder größerer Herrschaftsgebiete zerstückelt.

5. Rudolf von Habsburg.

Unter den Grafengeschlechtern Helvetiens ragte besonders das-jenige der Habsburger hervor. Ihr Stammschloß stand im Aar-gau. Anfänglich hatten sie nur einen geringen Besitz. Der Ehrgeiztrieb sie jedoch beständig an, ihre Herrschaft zu erweitern.

Der bekannteste derselben war Graf Rudolf. Er war einegroße, ritterliche Gestalt und ein leutseliger Mann. Seine Lebens-weise war höchst einfach. Als einmal seine Ritter auf einem Kriegs-zuge über Hunger klagten, zog er auf einem Acker eine Rübe ausund sie. Seinen Soldaten riet er, ein Gleiches zu thun. Seinenfrommen Sinn bekundete er dadurch, daß er einem Priester, der einemKranken das Abendmahl brachte und dabei einen hochangeschwollenenBach durchwaten sollte, sein Pferd schenkte. Da er als ein tapfererLlitter bekannt war, wählten ihn mehrere Städte, die durch den raub-lustigen Adel bedroht waren, zu ihrem Schirmherrn. Alle schützte erkräftig gegen ihre Angreifer, so auch die Stadt Zürich, die inden Herren der Ütlibnrg gefährliche Feinde hatte. Mit List nahm erdie stolze Burg auf dem Ütliberg ein und zerstörte sie.

Wie alle Habsburger, war auch Rudolf sehr ländergierig. Un-ablässig strebte er darnach, sein väterliches Erbe zu vergrößern. Diesverwickelte ihn in manche Fehde mit geistlichen und weltlichen Herren,wobei er mehrere Gebiete erwarb. Er wurde auch Graf, d. h. kaiser-licher Statthalter über den Zürichgau. Ja, weil man von ihn: er-wartete, er wäre im stände, in Deutschland die gestörte Ruhe undOrdnung wieder herzustellen, wurde er 1273 sogar zum deutschenKönig gewählt.

Nun benutzte er die Königswürde vor allem zur Erweiterungseiner Hausmachk. Zunächst eroberte er in Deutschland etliche kleinereLänder, vereinigte dieselben zum Herzogtum Österreich und gabdieses seinem Sohne Albrecht. Dann erwarb er durch Eroberung,Kauf oder Umtriebe auch einzelne Gebiete in den jetzigen KantonenZürich, Bern, Luzern, Schwpz, Unterwalden, Glarus, Zug, Aargauund Thurgau. Beinahe wäre sein Wunsch, in der heutigen Schweiz«in habsburgisches Fürstentum zu errichien, in Erfüllung gegangen.Da ereilte ihn 1291 der unerbittliche Tod und machte seinem Planeein rasches Ende.