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Die Bosheit hat sie verwehet,doch nicht zu nichte gemacht.
O liebliches Bild, das mir heuteso schlicht zum Herzen spricht:da, blaset, ihr törichten Leute!
Ihr fördert der Wahrheit Licht.
Drum, Kinder der Erde, klagt nimmer,wenn Bosheit die Wahrheit zerstört,ersteht sie doch hundertfach immer;dies hat mich mein Bitblein gelehrt.
Johannes Brasset
2. Die Bürgschaft.
Zu Dionys, dem Tyrannen, schlichMoros, den Dolch im Gewände;ihn schlugen die Häscher in Bande.
„Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!“entgegnet ihm finster der Wüterich.
„Die Stadt vorn Tyrannen befreien!“ —
„Das sollst du am Kreuze bereuen!“
„Ich bin,“ spricht jener, „zu sterben bereit und bitte nichtum mein Leben; doch willst du Gnade mir geben, ich flehe dichum drei Tage Zeit, bis ich die Schwester dem Gatten gefreit; ichlasse den Ereund dir als Bürgen; ihn magst du, entrinn’ ich, er-würgen.“
Da lächelt der König mit arger List und spricht nach kurzemBedenken: „Drei Tage will ich dir schenken; doch wisse, wennsie verstrichen, die Frist, eh’ du zurück mir gegeben bist, so musser statt deiner erblassen; doch dir ist die Strafe erlassen.“
Und er kommt zum Freunde: „Der König gebeut, dass icham Kreuz mit dem Leben bezahle das frevelnde Streben; dochwill er mir gönnen drei Tage Zeit, bis ich die Schwester demGatten gefreit; so bleib’ du dem König zum Pfande, bis ich komme,zu lösen die Bande!“
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund und liefert sichaus dem Tyrannen; der andere ziehet von dannen. Und ehe dasdritte Morgenrot scheint, hat er schnell mit dem Gatten die Schwestervereint, eilt heim mit sorgender Seele, damit er die Frist nichtverfehle.