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Kopf schlagen. Da wird er von unserem Karo gepackt und niedergerissen;und der sonst so gute Hund hätte ihn übel zugerichtet, wäre Georg dembösen Buben nicht zu Hilfe gekommen.
Von da an hatten wir einen bitterbösen Nachbar. Es verging fastkein Tag, ohne daß der Fritz etwas tat, was uns Schaden und Kummerbrachte. Mit einer Windbüchse schoß er uns die Vögelchen aus demGarten weg; in unsere so sorglich gepflegten Blumenbeete warf er Unratund Steine, und besonders unser braver Karo hatte seine Rache zu fühlen.Oft kam das arme Tier, durch Steinwürfe verletzt, heulend und blutendins Haus, und von einem solche» Sieinivurf behielt es ein lahmes Beinsein Leben lang.
Von den Eltern des zuchtlosen Jungen war Hilfe nicht zu erlangen.Während sie früher nur hochmütig auf uns herabgesehen hatten, haßtensie uns seit dem Vorgang mit der Fledermaus. Was sich der arme Jungedes Blumenbauers gegen den reichen Erben vom Grundhofe heraus-genommen, war in ihren Augen ein Verbrechen. Hätten sie uns vonunserm Anwesen vertreiben können, sie hätten es getan. Ein kleinesKapital, das der Gruudhofbauer darauf liegen hatte, kündigte er uns. Eswäre uns damals schwer gewesen, das Geld aufzubringen, wenn uns nichtHilfe von der Gutsherrschaft gekommen wäre.
Indes wurden die Grundhofersleute von Jahr zu Jahr mehr inne,welche Rute sie sich au ihrem Söhnlein aufgebunden hatten, und über denArger und Kummer, den ihnen der Junge machte, vergaßen sie allmählich,uns zu hassen. Das Fritzchen bekam immer mehr „Schneid". Wie erfrüher kleine Tiere gequält hatte, so trieb er nun allerlei grausamenMutwillen mit den Pferden und dem Milchvieh. Dazu lachten die Elternfreilich nicht mehr; denn das brachte ihnen empfindlichen Schaden. Auchgegen seine Mutter zeigte er schon „Schneid"; als sie ihn einmal fürseine groben Reden strafte, da rächte er sich dadurch, daß er ihrerLieblingskatze das Kreuz einschlug, so daß das arme Tier getötet werdenmußte. Allmählich kam es dahin, daß auf dem Grundhofe kein Dienstbotemehr blieb wegen der Rohheit und Bösartigkeit des Haussohnes. Sogarder Großknecht, der schon siebzehn Jahre auf dem Hofe diente — er warein Jahr vor Fritzens Geburt zugezogen - kündigte den Dienst.
Im ganzen Dorfe war der junge Grundhofer gefürchtet. Als Schul-knabe schon hatte er das Messer gezogen, wenn er mit seinen Kameradenin Streit geriet, und er rühmte sich, daß er schon manchen „angestochen"habe. Die Eltern hatten schon öfter das Schweigen der Gestochenen er-kaufen müssen, damit das Söhnchen nicht zur Anzeige gebracht wurde.Einmal aber schien die Sache doch bös auszugehen für den Fritz. Bei