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Enden der Luftrohrenäste, die von der Mund- und Nasenhöhle durch denHals herabgestiegen sind und sich zu äußerst feinen Zweiglein ausgabeln.Wie ein Gewebe aus Zettel und Einschlag besteht, so besteht die Lungeaus Luftröhrenästen und aus Blutgefäßen; diese legen sich um die Luft-röhrchen, wie die Maschen eines Handschuhs um die Finger, und da dieseGefäßchen sehr feine Röhren sind, mit Wänden, viel dünner als Seiden-papier oder Spinnengewebe, so wird der Inhalt, welcher durchläuft, alsodas Blut, mit der eingeatmeten Luft in die innigste Berührung gebracht;es gibt unreine Luft ab und nimmt frische wieder auf. Es ist wunder-bar, daß diese feinen Blutgefäße nicht öfter zerreißen (Blutspeien), undleicht begreiflich, daß schädliche Dinge, welche in die Luftröhre hinein-gelangen, z. B. Abtrittluft, Bleistaub (bei Malern und Hafnern) oderArsenikstaub (bei grünen Tapeten und Rollvorhängen u. s. w.) äußerst leichtund an hunderttausend Stellen zugleich in das Blut übergehen.
Ein erwachsener Mensch hat 6 bis 7i/ 2 Kilo Blut, und wenigstensHz davon läuft stets durch die lufthaltige Lunge. Endlich sammeln sichdie Aste wieder zu großen Stämmen und leiten das gelüftete, hellrot ge-wordene Blut in die linke Vorkammer; diese drückt es rasch in die linkeHerzkammer hinab, und von da aus läuft es durch den ganzen Leib mitgroßer Schnelligkeit (bis 40 Centimeter in der Sekunde), vom Scheitel biszur Zehe, und wieder zurück in einer Minute. Verschiedene Klappen sorgenim Herzen und in den Gefäßen für regelmäßigen Gang der Blutmasse.Das Triebwerk aber ist das Herz. das sich in jeder Minute etwa 75malzusammenzieht, dabei an die Brustwand stößt und in den fortführendenGefäßen (Arterien) merkbare Wellen veranlaßt (Pulse). Wir können keineNadel in die Haut stecken, ohne daß es blutet, d. h. ohne daß wir einkleines Äderchen angestochen hätten, so eng ist das Netz, in welches dieBlutgefäße sich verteilen, nicht nur in dem frischen Rot der Wangen,sondern selbst an blassen Stellen und in dem Weißen des Auges.
Auf der ganzen, weiten Reise gibt das Blut durch die feinen Äderchenhindurch neue Stoffe ab, die von den Verdauungswerkzeugen hergekommenund in den Lungen fertig gebildet worden sind, und überall nimmt dasBlut auch wieder verbrauchte Teile aus dem Körper auf und scheidet siean gehörigen Orten aus, die Luftarten (besonders Kohlensäure) und Wasser-dunst in den Lungen, flüssiges Wasser mit Salzen in den Nieren u. s. w.
Diejenigen Adern, welche das verbrauchte Blut zum Herzen zurück-führen (die Venen), klopfen (pulsieren) nicht mehr; der Herzstoß dringtnicht so weit; auch liegen sie oberflächlich, blau durch die Haut schimmernd,an Armen und Beinen leicht sichtbar; leider sind sie auch leicht zusammenzu drücken, z. B. durch enge Halsbinden, die Kopfweh oder Schwindel