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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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machen, oder durch Strumpfbänder, welche offene Schäden an den Beinenhervorrufen.

Wer aus einer Wunde blutet, den verlaß nicht; denn er könnte sonstdurch deine Schuld sterben. Lege einen Bausch von reiner Baumwolle oderLeinwand in die Wunde und binde rasch ein zusammengelegtes Halstuchoder Taschentuch so fest darum, bis die Blutung steht! Verbietet aber dieblutende Stelle einen festen Verband, z. B. am Halse, wo du würgen wür-dest, so kneipe mit den Fingern die Wunde zu, oder wickle Leinwand umeinen Finger und stecke ihn in die Wunde und bleibe daselbst, bis ärzt-liche Hilfe kommt. Manches Menschenleben hat der gesunde Menschen-verstand auf solche Weise gerettet, und manches Menschenleben auch istunnötigerweise verloren gegangen durch ratloses Herumtappen nach allerleiUmschlägen u. s. w. Wo es blutet, da stopfe, bis ein Kundiger kommt.Auf die Dauer freilich hilft dein Stopfen und Binden nicht; das Gliedkönnte dabei absterben.

Ohnmacht oder auch nur große Schwäche lahmt zuweilen den Herz-stoß; das langsamer strömende Blut gerinnt in der Wunde, auch ohneallen Verband; die Natur hat die Blutung gestillt und nicht das sympa-thetische Mittel oder der Zauberspruch. Verlaß dich aber nicht auf dieseNaturhilfe; sie bleibt oft aus! Dr. Smideregger.

7. Samariterdienst bei Blutungen.

1. Es gibt geschlossene und offene Wunden. Erstere heißen auchQuetschungen. Sie sind durch Stoß, Schlag oder Fall hervorgerufene Ver-letzungen der kleinsten Blutgefäße. Die erste Folge hiervon sind Blutergüsseunter der Haut, Blutbeulen, rasch auftretende, schmerzhafte Schwellung undVerfärbung. Sind lebenswichtige innere Organe stark erschütterk worden,so zeigen sich schlimme Erscheinungen, die sofort ärztlicher Hilfe rufen, sobei Erschütterungen des Gehirns: Bewußtlosigkeit und Erbrechen; bei Er-schütterung der Lunge: Blutspeien; bei Erschütterung des Unterleibes:heftige Leibschmerzen, Erbrechen und Totenblässe. Ist sogar die Leber,die Milz oder der Darm zerrissen worden, so ergießt sich das Blut oderder Darminhalt in die Leibeshöhle. Unter furchtbaren Schmerzen tritt indiesem Falle bald der Tod ein. Quetschungen, die nur die äußern Weich-teile betreffen, sind ungefährlich. Kalte Umschläge machen und Hochlagerungdes gequetschten Gliedes aus weicher Unterlage, ist alles, was der Laiezu tun hat.

2. Offene Wunden nennen wir Verletzungen, bei denen auch dieHaut getrennt worden ist. Sie sind nach der Ursache ihrer Entstehung