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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Der Bauer und sei» Sohn.

Tag, sogar in der Schule, und schaute darein wie ein Träumer.Wieviel ist sechs mal sechs?" fragte der Schulmeister beim Einmaleins.Nun, Frieder, was geht dir heut im Kopf herum? schwätz!" DerBub, voll Schrecken, wußte nicht, sollt' er sagen: Besenreisig odersechsnuddreißig, denn eigentlich war beides richtig; er sagte aber:Besen-reisig!" Da gab es ein Gelächter, daß alle Fenster kl irrten und bliebnoch lange ein Sprichwort in der Schule, wenn einer in Gedankensaß: Dcr hät Besenreisig im Kopf.

In der Nacht konnte Frieder nicht schlafen. Einmal kam esihm vor, als sei es im Hof nicht geheuer; er richtete sich auf undsah durchs Fenster über seinem Bett. Sieh da! drang eine Helleaus dem Stall und kam der Hansel heraus und der Engel auf ihm,. der ritt ihn aus dein Hof so sachten Tritts, als ging' es über Baum-wolle weg. Im ersten Augenblick will Frieder schreien, doch gleichbesinnt er sich und denkt, es ist ja Hansels Glück, legt sich alsogeruhig wieder hin und weint nur still in die Kissen, daß jetzt derHansel fort sein soll^nnd nimmer wieder kommen.

Wie nun die zwei auf offener Straße waren und der Gaulim hellen Mondschein seinen Schatten sah, sprach er für sich:Ach!bin ich nicht ein dürres Bein! eine Königin säße mir nimmermehrauf." Der Engel sagte weiter nichts hiegegen und lenkte bald seit-wärts in einen Feldweg ein, wo sie nach einer guten Strecke aneine schöne Wiese kamen; sie war voll goldener Blumen und hießdie unsichtbare, da sie von ordinären Leuten nicht gesehen ward, undging bei Tage immer in einen nahen Wald hinein, daß sie keinMensch ansfand. Kam aber guter armer Leute Kind mit einemKühlein oder Geiß daher, dem zeigte der Engel die Wiese; es wuchsein herrliches Futter auf ihr, auch mancherlei seltsame Kräuter, davonein Tier fast wunderbar gedieh. Auf demselbigen Platz stieg derEngel jetzt ab, sprach:Weide, Hans!" lief dann am Bach hinunterund schwand in die Lüfte, nur wie ein Stern am Himmel hinzuckt.Der Hansel seinerseits fraß aber tapfer zu, und als er satt war,tat's ihm leid, so fett und milchäg war das zarte Gras. Endlichkommt ihm der Schlaf; also legt er sich stracks an den Hügel dortbei den runden Buchen und ruht bei vier Stunden. Weckt' ihn miteins ein Iägcrhorn, da war es Tag und stund die Sonne hell undklar am Himmel. Risch! springt er auf, sieht seinen Schatten aufdem grünen Rasen, verwundert sich und spricht:Ei, was bin ichein schmucker Kerl geworden, »necket, glatt und sauber!" So wares auch und glänzte seine Haut als wie in Oel gebadet.

Nun aber jagte der König des Landes schon etliche Tage inselbiger Gegend und ging just aus dem Wald hervor mit seinen