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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die Bürgschaft.

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101. Die Bürgschaft.

Von Friedrich Schiller.

1. Zu Dionys, dem Tyrannen, schlichMoros, den Dolch im Gewände;

Ihn schlugen die Häscher in Bande.

Was wolltest du mit dein Dolche, sprich!"

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

Die Stadt vom Tyrannen befreien!"

Das sollst du am Kreuze bereuen."

2.Ich bin", spricht jener,zu sterben bereitUnd bitte nicht um mein Leben;

Doch, willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen."

3. Da lächelt der König mit arger ListUnd spricht nach kurzem Bedenken:

Drei Tage will ich dir schenken;

Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh' du zurück mir gegeben bist,

So muß er statt deiner erblassen;

Doch dir ist die Strafe erlassen!"

4. Und er kommt zum Freunde:Der König gebeut,Daß ich am Kreuz mit dem Leben

Bezahle das frevelnde Streben;

Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

So bleib' du dein König zum Pfande,

Bis ich komme, zu lösen die Bande!"

5. Und schweigend umarmt ihn der treue FreundUnd liefert sich aus dem Tyrannen;

Der andere ziehet von bannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

6. Da gießt unendlicher Negen herab,

Von den Bergen stürzen die Quellen,

Und die Bäche, die Ströme schwellen.