Pankvaz dcr Schmollcr. — Das brave Mütterchen. 79
von der überraschten Neugierde himinelweit von ihm weggeführt.Doch urplötzlich erkannten sie ihn an der Art, wie er die oberstenStufen übersprang und über den ganzen Flur weg fast gleichzeitigdie Klinke der Stubcntür ergriff, nachdem er wie der Blitz vorherden lose steckenden Stubenschlüssel fester ins Schloß gestoßen, wassonst immer die Art des Verschwundenen gewesen, der in seinemMüßiggänge eine seltene Ordnungsliebe bewährt hatte. Sie schrieenlaut auf und standen festgebannt vor ihren Stühlen, mit offenemMunde nach der aufgehenden Türe sehend. Unter dieser stand derfremde Pankrazins mit dem dürren und harten Ernste eines fremdenKriegsmannes; nur zuckte es ihm seltsam um die Augen, indessendie Mutter erzitterte bei seinem Anblick und sich nicht zu helfenwußte, und selbst Estherchen zum erstenmal gänzlich verblüfft warund sich nicht zu regen wagte. Doch alles dies dauerte nur einenAugenblick; der Herr Oberst, denn nichts Geringeres war der ver-lorene Sohn, nahm mit der Höflichkeit und Achtung, welche ihn diewilde Not des Lebens gelehrt, sogleich die Mütze ab, was er niegetan, wenn er früher in die Stube getreten; eine unaussprechlicheFreundlichkeit, wenigstens wie es den Frauen vorkam, die ihn niefreundlich gesehen, noch also denken konnten, verbreitete sich über dasgefurchte und doch noch nicht alte Soldatengesicht und ließ schnee-weiße Zähne sehen, als er auf sie zueilte und beide mit ausbrechendemHerzensweh in die Arme schloß.
31. Das brave Mütterchen.
Vo» Karl Müllenhof.
Es war ein Winter, und das Eis stand. Da beschlossen dieHusumer, ein großes Fest zu feiern. Sie schlugen Zelte auf, und altund jung, die ganze Stadt, versammelte sich draußen. Die einenliefen Schlittschuh, die andern fuhren im Schlitten, und in den Zeltenerscholl Musik und Tänzer und Tänzerinnen schwenkten sich herum,und die Alten saßen an den Tischen und tranken eins. So verging
der ganze Tag, und der helle Mond ging auf; aber der Jubel schien
erst recht anzufangen.
Nur ein altes Mütterchen war von allen Leuten allein in derStadt geblieben. Sie war krank und gebrechlich und konnte ihre Füßenicht mehr gebrauchen; aber da ihr Häuschen auf dem Deiche stand,konnte sie von ihrem Bette aus aufs Eis hinaussehen und die Freudesich betrachten. Wie es nun gegen den Abend kam, gewahrte sie,
indem sie auf den See hinaussah, im Westen ein kleines weißes