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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die Bremer Stadtmiisikcmtcil.

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wir zusammen musizieren, so muß es eine Art haben!" Der Hahnließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle Niere zusammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichenund kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. DerEsel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katzeund der Hahn machten sich in die Aeste; der Hahn aber flog bis indie Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, saher sich noch einmal nach allen vier Winden um; da denchte ihn, ersehe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu,es müßte nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht.Sprach der Esel:So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen,denn hier ist die Herberge schlecht." Der Hund meinte, ein paarKnochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut. Also machtensie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahenes bald Heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vorein hell erleuchtetes Räuberhans kamen. Der Esel, als der Größte,näherte sich dem Fenster und schaute hinein.Was siehst du, Grau-schimmel?" fragte der Hahn.Was ich sehe?" antwortete der Esel,einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räubersitzen daran und lassen's sich wohl sein."Das wäre was für uns",sprach der Hahn.Ja, ja, ach, wären wir da!" sagte der Esel. Daratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müßten, um die Räuberhinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mußte sichmit den Vordersätzen auf das Fenster stellen, der Hund auf des EselsRücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flogder Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie dasgeschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zumachen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und derHahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein,daß die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichenGeschrei in die Höhe, meinten nichts anderes, als ein Gespenst kämeherein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setztensich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.

Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht ausund suchten sich eine Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Be-quemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter dieTüre, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahnsetzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von ihremlangen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei warund die Räuber von weitem sahen, daß kein Licht mehr im Hausebrannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hanptmann:Wir hätten