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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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51
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Die Schlacht bei St. Jakob an der Birs. Die ewige Bürde. 51

glaubten und nur nach vorne kämpften. Die Deutschen aber, diebei den Armagnaken waren, brechen in den Garten, durchgrabendie Mauer und greifen die Schweizer iin Rücken an, was eineHanptursache des Untergangs der Schweizer gewesen ist. Nun wirdvor- und hinterwärts gekämpft; Mann ringt mit Mann; nicht mehraus der Ferne, sondern Aug' in Auge zückt man das Schwert.Die Schweizer, gleich Löwen, rasen mitten in die Sieger durchs ganzeHeer, schlagen, schmettern alles nieder, nicht als kämpften sie um denSieg, sondern im Bewußtsein, ihren Tod zu rächen; die Schlachthat vom Anbruch bis zum Neigen des Tages gedauert. Zuletztsanken die Schweizer, nicht besiegt, sondern vom Siegen ermüdet,mitten unter den gewaltigen Feindeshaufen zusammen. Ein traurigerund höchst blutiger Sieg war das für die Armagnaken, und sie be-haupteten das Feld als Ueberwinder nicht durch Tapferkeit, sonderndurch Uebermacht. Von den Schweizern sind nach den Berichten, dieam höchsten gehen, 4000 untergegangen, nach den niedrigeren Be-richten 1500 Mann. Von den Armagnaken, behaupten einige, seiennoch mehr vermißt worden als von den Schweizern; an Pferdenwar der Verlust sehr groß; mehrere Deutsche, die an den Schweizernihre Rache kühlen wollten, kamen nms Leben. Das Verderblichstefür die Schweizer aber war ihr hoher Mut, oder soll man es Toll-kühnheit nennen? Denn durch ihre Feindesverachtung wurden sie ineine Lage gebracht, aus der sie nicht mehr entrinnen konnten. DerKluge fürchtet den Feind nicht so sehr und verachtet ihn eben so wenig.

19. Die ewige Bürde.

Aus denPalmblüttern" von I. G. Herder und A. I. Liebeskind.

Der Kalif Hakkam, der die Pracht liebte, wollte die Gärtenseines Palastes verschönern und erweitern. Er kaufte alle benach-barten Ländereien und bezahlte den Eigentümern so viel dafür, alssie verlangten. Nur eine arme Witwe fand sich, die das Erbteilihrer Väter aus frommer Gewissenhaftigkeit nicht veräußern wollteund alle Anerbietungeii, die man ihr deswegen machte, ausschlug.Den Aufseher der königlichen Gebäude verdroß der Eigensinn dieserk, Frau; er nahm ihr das kleine Land mit Gewalt weg, und die arme

Witwe kam weinend zum Richter.

Jbn Beschir war eben Kadi der Stadt. Er ließ sich den Fallvortragen und fand ihn bedenklich; denn obschon die Gesetze derWitwe ausdrücklich Recht gaben, so war es doch nicht leicht, einenFürsten, der gewohnt war, seinen Willen für die vollkommene