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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Parabeln.

II.

Die Zeder.

Von Johann Wolfgang Goethe.

Eine Zeder wuchs auf zwischeu Taimen; sie teilten mit ihrRegen und Sonnenschein. Und sie wuchs und wuchs über ihre Häupterund schaute weit ins Tal umher. Da riefen die Tannen:Ist daSder Dank, daß du dich nun überhebest, dich, die du so klein warst,dich, die wir genährt haben?" Und die Zeder sprach:Rechtet mitdem, der mich wachsen hieß!"

Und um die Zeder standen Dornsträucher. Die ergrimmten, daßsie so herrlich dastand in ihrer Kraft vor dem Antlitz des Himmels,und riefen:Weh dem Stolzen, er überhebt sich seines Wuchses!"Und wie die Winde die Macht ihrer Aeste bewegten und Balsam-geruch das Land erfüllte, wandten sich die Dörner und schrieen:Wehedem Uebermütigen! Sein Stolz braust auf wie Wellen des Meeres!Verdirb ihn, Heiliger vorn Himmel!"

Da nun die Männer kamen vom Meer und die Axt ihr audie Wurzel legten, da erhob sich ein Frohlocken:Also strafet derHerr die Stolzen, also demütigt er die Gewaltigen!"

Und sie stürzte und zerschmetterte die Frohlocker, die verzetteltwurden unter dem Reisig.

Und sie stürzte und rief:Ich habe gestanden, und ich werdestehn!" Und die Männer richteten sie auf znm Mäste im Schiffedes Königs, und die Segel wehten von ihm her und brachten dieSchatze aus Ophir in des Königs Kammer.

III.

Ducht und Tag.

Von Johann Gottfried Herder.

Nacht und Tag stritten miteinander um den Borzng; der feurige,glänzende Knabe Tag fing an zu streiten.

Arme, dunkle Mutter", sprach er,was hast du wie meineSonne, wie meinen Himmel, wie meine Fluren, wie mein geschäftiges,rastloses Leben? Ich erwecke, was du getötet hast, znm Gefühl einesneuen Daseins; was du erschlafftest, rege ich auf."

Dankt man dir aber auch immer für deine Aufregung?"sprach die bescheidene, verschleierte Nacht.Muß ich nicht erquicken,was du ermattest? Und wie kann ich anders, als meistens durchdie Bergessenheil deiner? Ich hingegen, die Mutter der Götter