Eine Winternacht auf der Lokomotive.
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schlag prüften; denn nur ein durchaus revidierter Schnellzug darfseinen Lauf fortsetzen.
„Wer fährt den Nachtschnellzng?" fragt der Inspektor, der amZuge entlang schreitet, indem sich soeben die hochbeinige Schnellzug-maschine zischend und mit glühendrot aus der geöffneten Feuertürangestrahltem Dampfe ohne Anstoß geschickt an den Zug legt. „Deralte Zimmermann", tönt die Antwort zurück, und zugleich drängt sicheilte kurze, dick in einen Lederpelz gehüllte Gestalt zwischen demGeländer der Maschine und dem Tender hervor und salutiert denInspektor. Der alte Zimmermann ist ein Mann im Lebensalter derhöchsten Mannesrüstigkeit, aber ein alter Lokomotivführer; denn wäh-rend eines Vierteljahrhunderts auf der rüttelnden, tobenden Maschinezu stehen und in Wetter und Sturm, Hitze und Kälte und Regeneinen Weg zurückzulegen, der zivanzigmal um den Erdball reicht, dasist eine Arbeit, die schneller zum Greise macht, als mit der Federhinter«: Ohr am warmen Ofen Akten lesen.
Zimmermann hebt bei den schwankenden, matrosenartig breit-spurigen Schritten, init denen er herankommt, beschwerlich die vomStehen auf der dröhnenden Maschine schwach gewordenen Beine, diein dicken Filzstiefeln stecken. Er hat die Pelzmütze tief über die Ohrengezogen und ein Tuch um Genick und Hals gewunden. Aus denunbehilflichen Hüllen schaut ein kleiner Teil eines gutmütigen, muntern,dunkel von der Kälte geröteten Gesichts.
„In fünf Minuten sind wir fertig; wie steht's bei Ihnen,Zimmermann?" fragte der Inspektor. „Verdammt kalt, Herr! fünf-zehn Grad schlecht gemessen", entgegnete dieser, „hab' mein Direktions-Warmbier schon im Leibe; meine Luise bringt mir aber noch einenKaffee mit Rum; den trink' ich, während ich meinen Greif nocheinmal revidiere; Teufel! gegen diesen Nordwind wird heute derSchnee stechen, als würde man mit Schnhzwecken aus Blaseröhren be-schossen! Da ist die Luise schon!" — Ein kleines Weib, dick beschneit,läuft in der Tat init einem Handkorbe eilends über den Perron,knixt vor dem Inspektor und packt dann, eilends mit dem Lokomotiv-führer nach der Maschine schreitend, den Kafseetopf aus, dessen In-halt sie ihm einschenkt, während er seine mächtige Lokomotive, die mitden glühenden Augen ihrer großen Laternen feindlich hinaus in dasSchneegestöber starrt, die Oelkanne in der Hand, nochmals umschreitet,jeden Teil nochmals befühlt, sich überzeugt, ob Oel in allen Schmier-gefäßen, der Rost gehörig von Schlacke gereinigt, die Siederohredes Kessels von Asche befreit, nichts locker und nichts zu klamm an-gezogen und sein Greif imstande sei, seine Riesenglieder geschmeidigspielen zu lassen, seine hundertundfünfzig Pferdekräfte frei zu entwickeln