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Karl der Große.
Balkendach. Andere fingen das Wasser der warmen Quelle ein,faßten sie schön mit Marmor, formten die Sitze für die Badendenund leiteten Wasser in alle Teile der Stadt; die Lastwagen rollten,Hammerschlag und emsige Arbeit tönte, die Gegend summte wie vonungeheurem Bienenschwarm. Auf dem Platz des Palastes aber stellteKarl das eherne Reiterbild des großen Ostgoten Theodorich auf, daser von Ravenna weggeführt hatte.
Seit Einrichtung der Hofschule begann während stürmischenKriegsjahren im Frankenreich ein neues Leben, dessen Mittelpunkt derKaiser mit seinem Hose war.
Die Jahre 796 bis 800 umspannen die Zeit, wo am Hofeund im Leben des Königs das Neue am schönsten sich darstellte.Karl war fünfzig Jahre alt, in voller Manneskraft; die Selbständigkeitder Sachsen war gebrochen, die Slaven besiegt, Bayern mit Salz-burg und Kärnten dem Reiche einverleibt; gerade jetzt war durcheinen glücklichen Feldzug des Grafen Erich und des jungen Pipinder große Ringwall des AvarenreicheS eingenommen und ein un-ermeßlicher Schatz, alter Raub der Völkerwanderung und vieljährigeKriegsbeute der Avalen, in die Hände der Franken gefallen. Nochstand der König in vornehmer Unabhängigkeit dem Papste gegenüber;noch war seine Politik echt deutsch; seine eigene abfällige Ansichtüber Bilderverehrung wurde wie ein Befehl nach Rom getragen; derneue Papst Leo sandte die Schlüssel St. Peters und die Fahnen derStadt Rom als Zeichen der Unterwürfigkeit an den König. SeineKinder wuchsen stattlich heran; die drei Söhne waren wieder einmalunter den Augen des Vaters versammelt. Der älteste, Karl, hattesich in den sächsischen Kriegen als kampftüchtig bewährt; Pipin, Königvon Italien, war gerade jetzt als neunzehnjähriger Jüngling mitdem Avarengolde und grünem Siegeskranze in der Pfalz von Aacheneingezogen; Ludwig, der 781 als dreijähriger Knabe auf ein Pferdgesetzt und den Aquitanern als König über die Grenze geschickt worden,war schon vier Jahre darauf lustig mit einer Schar seiner Gespielenin dem sächsischen Lager des Vaters eingeritten, in Baskentracht mitrundem Mäntelchen, mit Bauschürineln und Hosen, mit Sporen-stiefeln, in der Hand seinen Wurfspeer schwenkend, und der Vaterhatte sich seines frischen Knaben gefreut und arbeitete seitdem, ihn inder Fremde, in spanischen Kriegszügen und zu Hause etwas Tüchtigeslernen zu lassen. Auch auf den blühenden Töchtern ruhte freudigdes Vaters Blick; die unmilde Königin Fastrada war gestorben, undder Stern der schönen Luitgard war im Aufgehen; die HofschuleAlkuins hatte ihre Wirkung getan; aus seinen Geistlichen und denEdlen des Hofes war ein Kreis von jungen Gelehrten herauf-