Die Häfnet-Jungfrau. — Der Knabe im Moor.
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75 Uf und fürt zum HäfneUBugg. Dört blibe sie b'hange,Z'allernöchst am Brünne, (der wüsset's) womer Verbei sin.
In deim Brünne sitzt sie. Doch stigt si an sunnige TageMengmol useu ans Land, strehlt in de goldige Hoore,
Und wenn näumer chunnt, wo sellc Morge nit betet80 Oder d'Hoor nit gstrehlt und wo sie nit gwäsche und putzt het,Oder jungt Bäum verderbt und andere 's Holz stiehlt,
Seit nie, sie nehm en in d'Arm und ziehueu üben in Brünne.
Vetter, i glaub sel nit. Me seit so Wege de Chinde,
Aß sie süferli werden und niene näumis verderbe.
85 Vetter, wär es so gföhrli, bim Bluest, euch hätt sie in d'Arm guo,Wo wer nebe abe sin, »ud gwäschen im Brünne,
Und au wider gstrehlt emol. — Nei, loset, was höri?s' littet z'Steine Mittag. Bald simmer dussen im Freie.
D'Zit wird eim doch churz im Laufe, wemmen au näiimis00 Mit enander z'rede weiß und näiimis z'crzelle.
Seig's denn au nit wohr, es isch nit besser, wenn's wahr isch.Sehnt der jez dört 's Schlößli mit sincn eckige Gible?
Und das Dorf isch Steine. Do füre zieht si der Chilchweg.
67. Der Knabe im Moor. .
Von Annette von Droste-Hülshoff. /
1. O, schaurig ist's, übers Moor zu geh»,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche, -,
Sich wie Phantome die Dünste drehnUnd die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt —
O, schaurig ist's, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
2. Fest hält die Fibel das zitternde KindUnd rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Grüberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.
3. Vom Ufer starret Gestnmpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
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