Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
258
JPEG-Download
 

258 Philemoii und Baucis. Der Wunsch des Herakles.

Auch Schalmeien der Hirten, die Menschlichkeit sangen und Schönheit.Hieher trügt die Mutter ihr Kind und säugt in dem Schatten;

205 Hier wird der Knabe geweiht zum Jünglinge, hier wer den HaushaltNeu beginnt; hier schwört man Gesetz und Ordnung und Gleichheit.Wer dem Schatten sich naht, dem bebt die entzückende SehnsuchtWohlzutun in das Herz, und heißes Vertraun zu den Göttern.

Pflücke dir Blumen des Tals, o Wanderer, daß du in Ehrfurcht210 Deinen Kranz aufhängest der Menschlichkeit, und dich belohneFröhlicher Mut und Gedeihn, ob du wallfahrst oder daheim seist!Rufe das Vieh mit dem Horn, Endymion, aus dem Gebüsche,

Daß wir zur Hürd' eingehn; schon dunkelt es. Aber du, Fremdling,Hebe die Bürd' auf die Achsel und folge mir unter mein Strohdach215 Dort an der waldigen Bucht, wo des Herdes Flamm' in der DämmrnngLieblich glänzt und der Rauch am funkelnden Himmel emporwallt.

<VgI. Nr. 2.1

S8. Der Wunsch des Herakles.

Von Karl Spittcler.

Ich will dir einen Wunsch gestatten", sprach

Zu seinem Lieblingssohne Herakles

Der Fürst der Götter. Herakles begann:

Ich wünsche mir ein unzugänglich SchloßAuf steilem Berge; unten um den BergDreifache Mauern; auf den Mauern WächterUnd vor den Mauern einen tiefen Graben.

Nämlich mein Herz ist stolz und spröd' und einsam;Und vor Gemeinen sliehn ist meine Wollust.

Doch unterirdisch aus des Schlosses KellerSoll ein geheimer, festgewölbter GangFühren ins Menschenland, damit des Abends,

Nach wackerer Tagesarbeit, sieben schöneErles'ne Gäste teilen meine Mahlzeit.

Nämlich des Glückes Garten pflügt die Arbeit;

Doch edle Gäste schmücken ihn mit Blumen."

Die Lider schließend lauschte Jupiter.

Dann sprach er zu den Parzen:Stoßt mir diesenIn Nacht und Sklaverei! und schüttelt ihmAuf seinen Weg ein wohlgerüttelt MaßLernäischen Geziefers: Vipern, Eber,

Stinkvögel, heilige Ochsen und Skorpionen."