272 Graf Eberhard der Greiner von Württemberg. — Das Heimchen.
7. Und Fehd' entbrannte bald darauf,Und zogen Noß und Mann
Bei Döffingen mit Hellem Hanf,
Und Heller ging's dem Junker aus.
Und Hurra! heiß ging's an.
8. Und unsers Heeres LosungswortWar die Verlorne Schlacht;
Das riß uns wie die Windsbraut fortUnd schmiß uns tief in Blut und MordUnd in die Lanzennacht.
3. Der junge Graf, voll Löwcngrimm,Schwung seinen Heldenstab;
Wild vor ihm ging das Ungestüm,Geheul und Winseln hinter ihmUnd um ihn her das Grab.
l O. Doch weh! ach weh! ein Säbel-hieb
Sank schwer auf sein Genick.
Schnell um ihn her der Helden Trieb —Umsonst! umsonst! erstarret bliebUnd sterbend brach sein Blick.
1 l. Bestürzung hemmt des SiegesBahn,
Laut weinte Feind und Freund.
Hoch führt der Graf die Reiter an:„Mein Sohn ist wie ein andrer Mann.Marsch, Kinder! in den Feind!"
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12. Und Lanzen sausen feuriger,
Die Rache spornt sie all';
Rasch über Leichen ging's daher;
Die Städtler laufen kreuz und querDurch Wald und Berg und Tal.
13. Und zogen wir mit HörnerklangIns Lager froh zurück,
Und Weib und Kind im Rundgesang,Beim Walzer und beim BecherklangLnstseiern unser Glück.
14. Doch unser Graf — waS tät
er itzt?
Vor ihm der tote Sohn.
Allein in seinem Zelte sitztDer Graf, und eine Träne blitztJni Aug' auf seinen Sohn.
15. Drum hangen wir so treu und
warm
Am Grasen, unserm Herrn.
Allein ist er ein Heldenschwarm,
Der Donner rast in seinem Arm,
Er ist des Landes Stern.
1V. Drum, ihr dort außen in der Welt,Die Nasen eingespannt;
Auch manchen Mann, auch manchen Held,Jni Frieden gut und stark im Feld,Gebar das Schwabcnland.
108. Das Heimchen.
Von Konrad Ferdinand Meyer.
1. Kolumbus lenkt das Schiffund fchant
Im Geiste das Gestade;
Doch seiner Fahrt Genossen grautAuf ödem Meerespfade.
Zwei Spanier plaudern aus derWacht,
Und einer sagt zum andern:„Mich beucht, Gesell, der Teufellacht,
Daß wir ins Leere wandern!
2. Verwünscht der hohle Träumerdort,
Der mich zur Fahrt gedungen!Was hab' ich auch sein LügenwortSo gierig eingeschlungen?
Er zeigt' mir Indiens üppig ReichUnd Gold in beiden Händen;
Ich sprang ins Schiff und meinte,gleich
Zu sammeln, zu verschwenden.