Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
274
JPEG-Download
 

Das Heimchen. Archibald Douglas.

274

12. Doch als das letzte Grün

verschwand,

Da ward's dem Heimchen schaurig;Beklommen saß es an der WandUnd wurde faul und traurig.

So darbt's und dämmert'slange hin,

Ich gab es schon verloren

Und nun, so war getauft ich bin,Ist es wie neugeboren!

13. Erlauchte Herren, gebet acht!In meinem dunkeln NäumchenHat eure Fahrten mitgemacht

Ein andalusisch Heimchen.Bedenket: es war gram und

lahm;

Es war zu nichts zu bringen;Jetzt singt es wie ein Bräutigam,Und reibt die dürren Schwingen."

14. Miguel ist fort und

wieder da,

Die Fingerspitze zeigend.

Da sitzt es ja; da singt es ja!Und alle lauschen schweigend.

Das Heimchen zirpt vergnüglich fort;Es laßt sich gar nicht stören;

Die Bursche sprechen nicht ein Wort,Sie wollen alle hören.

15. Dann sinnen sie der Sache

nach;

Die schlauen Augen glimmen;

Sie schütteln sich die Hände jachUnd schrei'» niit mächt'gen Stimmen:Das Heimchen zirpt! das Heimchenzirpt!

Es glaubt sich schon im Grünen!Wer spielt, gewinnt! Wer wagt,erwirbt!

Das Glück ist mit dem Kühnen."

16. Kolumbus lauscht; ihm

schwillt die Brust;DaS Herz ihm freudig zittert;

Ein Heimchen hat die HeidelustDer neuen Welt gewittert!

Die Segel schwellt ein frischer Wind,Das Schiff fliegt wie GedankenUnd trägt der alten Erde KindAuö den gebrochnen Schranken.

Mgl. Nr. »S.>

109. Archibald Douglas.

Von Theodor Fontäne.

1.Ich hab'getragen sieben Jahr,Und ich kann es nicht tragen mehr;

Wo immer die Welt am schönsten war,Da war sie od' und leer.

2. Ich will hintreten vor sein GesichtIn dieser Knechtsgestalt;

Er kann meine Bitte versagen nicht,

Ich bin ja worden alt.

3. Und trüg' er noch den alten Groll,Frisch wie am ersten Tag,

So komme, was da kommen soll,

Und komme, was da mag."