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das Weib, und Liebe schien das Element zu sein, welches sie geborenund in welchem sie lebte.
Die Kinder, die dem Vater entgegengesprungen waren und auchdrinnen an ihm hingen, liebkosend und Freude bezeigend, waren5 trotz ihrer groben Hirtenhemdehen schön zu nennen, zwischen siebenund acht Jahren, blond gelockt und mit Backen, wie aus Milch undBlut gemischt. Etwas älter war der Knabe, der draussen gestandenhatte; brauner waren seine Wangen; er hatte das Auge des Vaters,ernst und kühn, und je kühner es loderte, desto schweigsamer war10 sein Mund. Stillschweigend hatte er dem Vater die Wehr abgenommen,machte sie am Herde sorgsam rein und trocken mit sichtlichem Ge-schick. Aber während er schwieg, glänzte oft sein Blick zum Vaterhin, bis er dessen Auge begegnete; dann schlug er das seine niederauf die Arbeit.
in Als sie alle ums Feuer sassen, war’s ein schöner Anblick, diemuntern Gesichter, beleuchtet von des Feuers Glut, und ein freund-lich Gerede ward lebendig. Die einen erzählten von ihrer Angst umden Vater, und der Vater musste erzählen, wie er durch Sturm undWasser gekommen, wo Lawinen gefallen, Felsen zu Tale gerollt.20 Unterdessen war der Knabe mit seiner Arbeit fertig geworden, hattedie Waffe an ihren Ort gebracht und stellte sich dicht neben denVater. Dieser strich mit der Hand über des Kindes feuchte Locken,legte dann wie von ungefähr den Arm um dessen Leib und sprachmit den andern fort, während des Knaben Augen in eigenem Glänze25 strahlten. Viel reden war nicht Sitte im Hause; man tat desto mehr;doch wo Gefühle, Angst oder Freude, besonders erregt waren, daäusserte man dieselben. Die Frau verhehlte dem Mann die ausge-standene Angst nicht, noch verbarg sie ihm die Freude über seineglückliche Wiederkehr.
30 Das konnte der Knabe nicht. Die Angst hatte ihn aus demHause getrieben; draussen im Sturme hatte er des Vaters geharrt,und als er dessen Kommen erlauscht, war er ihm nicht entgegen-gesprungen, sondern hatte sich hinter dem Baume geborgen; erschämte sich der Angst; seiner Liebe schämte er sich nicht, und35 doch barg er sie; denn so gross, wie seine Liebe, war auch -seineEhrfurcht vor dem Vater. Es war eben dieser Vater ein Mann, wiees wenige Männer gab — es war der Teil. Jeremias Gotthelf.
1797 - 1854 .