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Band I.
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wurde vorn Ross aus mit dem Turnierkolben oder mit stumpfenSchwertern gekämpft; die Knappen waren dabei zugegen und durftenihren Herren die entladenen Waffen reichen und sie durch Lenkungder Pferde dem Schlage des Gegners entrücken.

5 Bei den Einzelkämpfen war eine starke Lanze ohne stählerneSpitze die Hauptwaffe. Die Kämpfer rannten paarweise mit einge-legter Lanze aufeinander los und suchten sich gegenseitig aus demSattel zu heben. Zersplitterten die Lanzen, oder stürzte einer derRitter vorn Pferde, so folgte oft noch ein Schwertkampf zu Ross10 oder zu Fuss. Wer die meisten Gegner aus dem Sattel gehobenhatte — und deren Zahl belief sich mitunter bis auf vierzig — dertrug den Preis davon. Die Namen der jedesmaligen Kämpfer wurdenvor Beginn des Kampfes ausgerufen, und mit schmetternden Trom-peten wurde das Zeichen zum Angriff gegeben.

15 So geschützt auch die Ritter durch ihre Rüstungen sein mochten,so kamen doch bei diesen Spielen, namentlich wenn an die Stelledes Schimpfrennens (Kampf mit stumpfen Waffen) das Scharfrennentrat, oft schwere Verwundungen und Quetschungen vor. Mancherblieb auch gleich auf der Stelle tot. Liessen sich die Kämpfer,20 denen es doppelt schwer wurde, vor den Augen der Fürsten undihrer Damen zu unterliegen, zur Leidenschaft hinreissen, trafen viel-leicht gar Feinde zusammen oder rannten zwei Ritterhaufen gegenein-ander an, die verschiedenen, möglicherweise einander unfreundlich ge-sinnten Stämmen angehörten, so verwandelte sich das Kriegsspiel in25 wirklichen Krieg trotz der Abwehr der Grieswärtel, die für Aufrecht-erhaltung der Kampfordnung zu sorgen hatten. So kamen in einem'furniere zu Neuss bei Köln nicht weniger als 42 Ritter und ebenso-viel Knappen ums Leben.

Nach beendigtem Turnier erhielten die Sieger unter Trompeten-30 geschmetter und unter dem Zujauchzen des Volkes aus der Handerwählter Edeldamen einen Preis, der «Dank» genannt wurde.Solcher Preise wurden etwa drei oder vier ausgeteilt; sie bestandenin kostbaren Waffen, goldenen Arm- oder Halsketten, goldenenRingen, gewappneten Pferden usw. Darauf folgte ein festliches35 Mahl, vor welchem Damen die Ritter von ihren Waffen befreitenund mit prächtigen Gewändern schmückten. Die ersten Plätze nahmendie Sieger ein, und auf dem Balle, der den Schluss machte, hattensie den Vortanz. Auch für die andern Stände gab es Spiel, Schmausund Zechgelage. A~ Dorenwell.