Band 
Band I.
Seite
167
JPEG-Download
 

167

an einem solchen Baue arbeiten und dessen Kosten noch obendreintragen musste; allein noch trauriger war es für dasselbe, wenn esdie schreckliche Erfahrung machen musste, dass die Kastelle nichtzu seinem Schutze, sondern ihm zur Plage angelegt wurden.

Zur Vermehrung ihres Ansehens wie ihrer Festigkeit wurdensie gewöhnlich auf einem Felsen gebaut, der durch einen natürlichenoder durch Kunst gehauenen Burggraben von dem Berge selbstabgeschnitten war, und aus den zu diesem Zwecke weggekrochenenSteinen erhielt eine solche Burg auch ihren Baustoff.

Ein gevierter, weiter Turm war die Wohnung des Burgherrn;um denselben lag der mit festen Mauern eingeschlossene Burghof,wo sich die gewöhnlichen Vorratskammern, eine Kapelle, die Stal-lungen für die Pferde und die Wohnung für die männliche Diener-schaft des Hauses befanden. Unter einer breitästigen Linde warder Brunnen, der aber nicht immer fliessendes Wasser lieferte, son-dern meistens nur ein Ziehbrunnen war.

Der Turm selbst enthielt gewöhnlich vier Geschosse. Das unterstehatte keinen äussern Eingang; man stieg im Innern des Turmes ausdem ersten Stockwerke in dasselbe hinunter. Hier waren die Wein-und Vorratskeller, und in einer Ecke befand sich noch ein gräf-licher Kerker, das Burgverlies, das fast in allen alten Schlösserngefunden wird und in das man diejenigen Unglücklichen an Strickenhinabliess, die man in sicherem Gewahrsam behalten oder aus demLeben verschwinden lassen wollte; man warf ihnen entweder kärg-liche Nahrung zur Fristung ihres Lebens hinunter, oder liess sieden Tod des Hungers und der Verzweiflung sterben.

Das zweite Geschoss fasste eine Küche in sich, die dem Ganzenzum Eingang diente. Die Türe derselben war etwa vier bis fünfMeter hoch über dem Schlosshofe. Eine hölzerne Treppe war aussenangebracht; in Zeiten der Gefahr konnte man sie wegnehmen. DieKüche war zugleich die geräumige Wohnung des weiblichen Haus-gesindes, dessen Bettstellen in grossen Wandschränken verborgenstanden.

Von hier führte eine schmale Wendeltreppe hinauf in das Wohn-zimmer des Burgherrn und seiner Familie, das gleichfalls den ganzenGeviertraum des Turmes ausfüllte und einen ungeheuren Ofen mitgeräumigen Stufen enthielt, wo auch die Lagerstellen für sämtlicheFamilienglieder sich befanden. In den in die Mauer eingefügtenWandschränken lagen die Gerätschaften der Bewohner des Zimmersund die Kostbarkeiten derselben verwahrt, und bei den wenigen,kleinen Fenstern bildete die dicke Mauer noch ziemlich weite Ka-

5

10

15

20

25

SO

35

40