die Gefangenen nicht entwischen sollten, und trieb nun blindlingstappend seine Herden. Aber wie erstaunte er, als er sich auf einmalrufen und schimpfen hörte! Es waren die Flüchtlinge, die nun schonihr Schiff vorn Lande abgestossen hatten und von der Küste weg-5 ruderten. Zornig brach er ein gewaltiges Stück von einem Felsgebirgeab und warf es nach der Meerseite hin, so dass es beinahe die Spitzedes Steuers getroffen hätte. Das Schiff schwankte entsetzlich vonder Bewegung des Wassers und wurde fast wieder aus Ufer ge-trieben; aber die Ruderer arbeiteten sich hurtig wieder ins Meer10 hinein, und Odysseus rief dem Polyphem nochmals zu und schrie:„Höre, Zyklop! Sollte dich einst von den sterblichen Menschen jemandfragen, wie du dein Auge verloren, so sag’ ihm: Odysseus, Laertes’Sohn, der Städteverwüster, der in Ithaka wohnt, der hat mein Augegeblendet“.
15 Darauf segelten die Männer fort. Polyphem flehte zu Poseidon,seinem Vater, um Rache, und dieser liess es auch in der Folge anStürmen und Wassergefahren dem edlen Odysseus nicht fehlen.
K. Fr. Becher.
137. Der hörnerne Siegfried.
In Niederland wohnte in uralter Zeit ein König, Namens Sieg-mund, der weithin bekannt war durch seine grosse Macht. Dessen20 Sohn hiess Siegfried; der Knabe war aber von unbändiger Kraft,und all sein Trachten ging dahin, dass er in die Fremde zöge, umAbenteuer zu bestehen. Endlich gab der König dem Wunscheseines Sohnes nach und liess ihn ziehen. Siegfried kam bald in einDorf, das vor einem Walde lag. Dort verdang er sich bei einem25 Schmied, um sich Waffen schmieden zu lernen. Aber er schlugso gewaltig auf das Eisen, dass dieses zersprang und der Ambossin die Erde getrieben ward. Der Meister fürchtete sich deshalb vorihm und suchte des wilden Gesellen sich wieder zu entledigen. Erschickte ihn daher in den nahen Wald zu einem Köhler; aber30 unterwegs musste Siegfried an der Höhle eines greulichen Drachenoder Lindwurms vorbei, und dieser, dachte der Meister, würde denjungen Helden töten. Wirklich fuhr der Drache auf den nichtsahnenden Wanderer los; aber Siegfried wehrte sich und erschlugihn. Darauf ging er weiter und geriet bald in eine Wildnis, in35 welcher es von Drachen, Kröten und von anderem giftigem Ge-würm wimmelte. Ohne sich zu besinnen, riss er eine Menge der