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So kam er im Frühling 1774 an das Gymnasium zu Karlsruhe;die junge Menschenpflanze aus dem Wiesental, die an das sonnigeLeben in Berg und Tal, in Feld und Wald sich gewöhnt hatte,wurde samt allen ihren Wurzeln ausgegraben und in den Sand-tz boden der Rheinebene verpflanzt. Die besten schriftlichen undmündlichen Zeugnisse begleiteten ihn und schufen ihm eine sehrfreundliche Aufnahme. Wie quälte ihn trotzdem das Heimweh indiesen für ihn ganz neuen Verhältnissen, unter lauter fremdenMenschen, die eine andere Mundart sprachen, als die gewohnte,10 trauliche des Wiesentales! Wie manche Träne rollte nachts auf seinKissen!
Seine Apotheke für diese Krankheit war die Karlsruher Schul-stube, und die Mittel, womit er nach und nach die herbste Bitter-keit überwand, waren seine Bücher. Diese wurden ihm Freunde15 und Tröster. Und er täuschte das Vertrauen, das man in ihn gesetzt,nicht; er ward der fleissigste Schüler der Klasse und hatte am Endedes ersten Schuljahres den grossen Erfolg, dass er eine Klasseüberspringen durfte.
Wenn ihn aber wieder das Heimweh gar zu sehr am Ärmel20 zupfte, und er hatte eine freie Stunde, so machte er sich hinausaus den Karlsruher Strassen und suchte in Feld und Wald seinelieben Kameraden vorn badischen Oberland auf: die Lerchen, dieMeisen, die Finken und derlei lustiges Pfeifervolk, das musizierteund herumflügelte; sie alle konnten gut oberländisch, und er ver-25 stand sie. Und wo er im Lenz ein erstes „Veigelein“ an einemRain sein Köpflein ausstrecken sah, da lief er hinzu und freute sich,und die Schlüsselblumen und Anemonen grössten ihn als alteFreunde aus der Heimat, und so gehörten sie ihm alle, die liebenKinder des Lenzes, des Sommers und Herbstes.
30 Im Frühling des Jahres 1778 ging er auf die Hochschule zuErlangen, und nachdem er zwei und ein halbes Jahr später diePrüfungen für das Predigtamt bestanden hatte, wurde er zunächstHauslehrer beim Pfarrer von Hertingen 1 und war dann weitereacht Jahre lang Hilfslehrer am Progymnasium zu Lörrach im Wiesen-35 tale, 2 seiner Heimat, wo die nahen Anhöhen eine herrliche Aussichtüber den Rhein nach der Schweiz hinein und in die Täler desSchwarzwaldes gewähren. Da wurde die oberste Kirchen- undSchulbehörde aufmerksam auf seine ausgezeichnete Befähigung als
1 Zwanzig Kilometer nördlich von Basel.
2 Acht Kilometer von Basel.