5
10
15
20
25
30
344
Sobald die Sonne am Morgen ihre ersten Strahlen auf die Erdesendet, krähe ich mein Morgenlied und springe von meiner Stiegehinunter. Früh ist die schönste Zeit zur Arbeit; denn Morgenstundehat Gold im Munde“.
Endlich trat Ernst in die Stube. Hier sass die Katze auf demOfen und wusch sich die Ohren. „Miezchen“, sagte Ernst zu ihr,„gewiss wirst auch du mich noch etwas lehren“. Das Kätzchenspitzte die Ohren und sprach: „Reinlichkeit! Ich weiss, dass michdie Leute nur lieb haben, wenn ich nett und sauber bin. Darumwasche ich mich oft, und es kann kommen, wer da will, ich brauchemich nie zu schämen“.
Ernst nahm sich alles zu Herzen, was ihm diese Tiere gesagthatten. Er ward arbeitsam, ordentlich, stand des Morgens früh aufund erschien stets sauber und reinlich.
Aus Krumbach-Spindlers: „Sammlung deutscher Aufsätze“.
**
224. Störrisch.
(Aus «Märchen, Sagen und Bilder».)
Nicht von einem störrischen Pferde will ich reden, das sichin den Kopf gesetzt hat, im Schritt zu gehen, wenn der Lenkeres möchte traben lassen, das rückwärts schreitet, wenn wir’s zumVorwärtsmarschieren anhalten, das links abschwenkt, wenn ich’srechts leite; aber von einer störrischen Feder sollst du hören, voneiner störrischen Schreibfeder. Max hat eine solche, der armeMax!
Warum lachst du? Aha, du meinst, die hätte er wegwerfenund eine bessere in den Halter stecken können. Schon recht! DasFatale dabei ist aber, dass die neue Feder, sobald sie in MaxensFederhalter geschoben wird, die Krankheit der frühern erbt, alsoauch störrisch wird. Daraus zöge ein Denker den Schluss: «Ja so!Da steckt denn schliesslich die Krankheit im Halter selbst undnicht in der Feder»!
Wenn das richtig wäre, so würde man leicht helfen können.Max hätte bloss den störrischen Federhalter durch einen neuenzu ersetzen. Glaubst du, er habe das nicht schon probiert? Gewiss!Und zwar nicht bloss einmal, sondern schon oftmals, aber stetsohne Erfolg. Die Störrigkeit vererbt sich gleich auf den neuenFederhalter. «Aha! Nun hab’ ich’s! Am Ende ...»