Band 
Band I.
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Halt! Halt! Ich weiss, was du sagen willst. Aber bevor duein strenges Urteil über Max selber fällst, sollst du zuerst dieverschiedenen Symptome der Krankheit, wie der Arzt sagt, kennenlernen. Also höre!

Es ist gerade Schreibstunde. Max sitzt auf seiner Schulbank, 5allerdings etwas schief; denn die rechte Schulter liegt bedeutendhöher, als die linke; auch das Heft liegt mehr auf der linken,statt auf der rechten Seite, obgleich Max mit der rechten Handschreibt, wie alle andern auch. Nun ergreift er die Feder. Aberschau! Da beginnt der Spektakel! Statt dass sie sich zwischen 10Daumen und Mittelfinger hübsch stille hält und sich mit demZeigefinger, der von Zeit zu Zeit einen leisen Druck auf sie aus-übt, artig verträgt, sitzt sie schon gleich oben auf dem Mittelfinger.Doch Max ist geduldig und schreibt auf solche Weise zu. Alleinwie er die ersten Zeilen seiner Schrift überschaut, siehe, da istkein einziger fein schattierter Strich darin zu finden. Auch stehendie Elemente der Buchstaben nach allen Richtungen, gerade wiedie Bäume in einer Hofstatt, wenn sie in ihrer Jugend nicht vonfesten Pfählen gehalten worden sind. Max versucht nun, bessereSchattierungen hervorzubringen. Aber o weh! Die Feder spreizt 20sich, und statt einer hübschen Schattierung erscheint auf dem Heftein Tintenklex, so gross wie der Vollmond.

Die Aufstriche sollen fein und geradlinig sein. Max weissdas auch und möchte seine Feder hübsch langsam aufwärts bewegen.Allein die Feder hat es anders im Kopf. Schwapp, ist der Aufstrich 25schon gemacht! Aber er sieht auch darnach aus.

Oder die Feder hat die Raschheit der Bewegung benutzt undder andern Seite des Blattes einen kurzen Besuch abgestattet.Dabei ist die ganze Seite nicht bloss von oben bis unten mitTintenflecken marmoriert worden, sondern mitten im Blatt ist ein 30Riss entstanden, der sogar noch auf dem nächsten Spuren hinter-lässt.

Ist so etwas nicht spukig? Gewiss! So zeigt sich die Federin jeder Hinsicht störrisch. Verstärkte Abstriche werden von ihrzu unterst wieder spitz, gewöhnliche in der Mitte am dicksten, 35untere Halbbogen oben spitz gemacht. Die Schlangenlinien habendas Aussehen eines knorrigen Weidenstrunkes; Flammenlinien sindzu elenden Krüppeln verunstaltet, und nur eines ist dabei wunder-bar: in der Hand des Lehrers wird die Feder augenblicklich solenksam und geschmeidig, als ob sie keine Dummheiten treiben ^könnte.