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unter seiner Last gebeugten Mann, eine in Trauer gekleideteFamilie antriffst, weiche ihnen mit Achtung aus! Wir müssen dasAlter, das Elend, die Mutterliebe, die Gebrechlichkeit, die Arbeit,den Tod achten. Jedesmal, wenn du ein Kind siehst, hinter dem ein
5 Wagen kommt, so ziehe es weg; wenn es ein Erwachsener ist,
mache ihn aufmerksam. Frage immer das Kind, welches allein istund weint, was ihm fehle; hebe dem Greise den Stock auf, den erhat fallen lassen! Wenn zwei Kinder zanken, so suche Frieden zustiften! Sind es Männer, so entferne dich! Wohne dem Schauspiel10 der rohen Gewalt nicht bei! Es beleidigt und verhärtet das Herz.Und wenn ein Mann gebunden und begleitet von Wachen vorüber-geht, so zeige dich nicht so grausam und neugierig, wie die Menge;es kann auch ein Unschuldiger sein. Höre auf, mit deinen Kame-raden zu sprechen und zu lachen, wenn du eine Tragbahre des
15 Spitals, die vielleicht einen Sterbenden trägt, oder wenn du einen
Leichenzug antriffst; denn in wenig Tagen könnte ein solcher deinHaus verlassen. Betrachte mit Teilnahme alle die Kinder der Insti-tute, welche in Reihen geordnet vorübergehen: die blinden, diestummen, die rhachitischen, die Waisen, die verlassenen Kinder.20 Sei immer eingedenk der menschlichen Nächstenliebe, wenn dirdas menschliche Unglück vor Augen tritt. Stelle dich immer, alsob du eine abstossende oder Lachen erregende Missbildung desKörpers nicht sähest. Lösche jeden brennenden oder glimmendenGegenstand aus, den du auf deinen Wegen findest; denn er könnte25 jemand Schaden oder Unglück bringen oder sogar das Lebenkosten. Antworte dem Reisenden, der dich nach dem Wege fragt,immer mit Höflichkeit. Lache nicht, wenn du jemand ins Gesichtsiehst! Laufe nicht ohne Not zu hastig! Schreie nicht! Achte dieStrasse! Die Bildung eines Volkes wird vor allem nach dem Be-30 tragen beurteilt, das es auf der Strasse zeigt. Wo du Grobheit aufder Strasse findest, wirst du sie auch in den Häusern finden.
Studiere die Stadt, in der du lebst; sie ist dein kleines Vater-land, das für dich während mehreren Jahren deine Welt gewesenist, wo du an der Seite deiner Mutter die ersten Schritte gewagt35 hast, wo dein Verstand die ersten Anregungen erhielt, wo du dieersten Freunde gefunden hast. Sie hat dich unterrichtet, ergötzt,beschützt. Darum liebe sie auch, und wenn du sie beschimpfenhörst, verteidige sie! Dein Vater.
Edmondo de Amicis.
1846—1908.