Band 
Band I.
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sah, erkannte ich ihn sofort als den alten Beamten, der mit seinemhiessen im vierten Stocke unseres Hauses wohnt. Er war auf einenSessel bequem gesetzt und hatte ein Taschentuch über die Augen.„Ich habe es nicht absichtlich getan“! sagte Garoffi schluchzend,5 vor Furcht halb tot; „ich habe es nicht absichtlich getan“! Zweioder drei Personen stiessen ihn heftig und riefen: „Die Stirne zurErde! Bitte um Verzeihung“! Plötzlich sagte eine entschlosseneStimme: „Meine Herren, da er den Mut gehabt hat, sich zu stellen,so hat niemand das Hecht, ihn zu erniedrigen“. Es war unser Direk-10 tor, der alles gesehen ^hatte. Alle blieben still. „Bitte um Verzei-hung“ ! sagte der Direktor |zu Garoffi. Garoffi, in heftiges Weinenausbrechend, umarmte die Knie des Greises, und dieser suchte mitseiner Hand das Haupt des Knaben und streichelte seine Haare.Dann sagten alle: „Geh’, Knabe, geh’nach Hause“! Und mein Vater15 zog mich aus der Menge und sagte auf dem Wege zu mir: „Heinrich,hättest du in einem ähnlichen Falle den Mut, deine Pflicht zu tunund deine Schuld zu bekennen“? Ich antwortete: „Ja“! Und er:„Gib mir dein Wort, das eines Knaben von Herz und von Ehre, dassdu es tun würdest“! „Ich gebe dir mein Wort darauf, mein Vater“.

Edmondo de Amicis.

1846—1908.

235. Ein Besuch bei dem Verwundeten.

90 Zwei Tage nach diesem Unfälle sagte mein Vater zu mir:«Wir wollen ins vierte Stockwerk hinaufgehen, um zu sehen, wiees um das Auge des verwundeten Herrn steht». Wir traten ineine fast dunkle Kammer ein, wo der Greis im Bette sass mitvielen Kissen hinter dem Rücken; am Kopfende des Bettes lehnte25 seine Frau, und in einer Ecke befand sich sein Neffe, welcherspielte. Der Greis hatte das Auge verbunden. Er war sehr froh,meinen Vater zu sehen, lud uns zum Sitzen ein und sagte, er be-finde sich besser, das Auge sei nicht verloren und er glaube, dasser im Verlauf weniger Tage geheilt sein werde. « Es war ein un-80 glücklicher Zufall», sagte er; «es schmerzt mich, dass jener Knabeeine solche Furcht ausstehen musste». Dann sprach er uns vornArzt, der um diese Stunde kommen sollte, ihn zu behandeln. Wirk-lich läutete in diesem Augenblicke die Glocke; «es ist der Arzt»,sagte die Frau. Die Türe geht auf, und wen sehe ich ? Garoffi, in35 seinem langen Mantel gesenkten Hauptes auf der Schwelle stehend;er hatte nicht den Mut, einzutreten. «Wer ist’s » ? fragte der Kranke.