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252. Erkrankung der Mutter.
Nidau, den 4. April 19 . .
Liebe Tante!
Betrübt setze ich mich zum Schreiben, um Dir mitzuteilen, dassunsere liebe Mutter krank ist. Letzten Montag hatten wir Wäsche.
5 Du weisst, dass es den ganzen Tag regnete; ja, es war wirklichrecht unangenehmes Wetter. Am Dienstag klagte die gute Mutterabends über Stechen in der linken Seite und ging früh zu Bette.Gleich dachte ich, sie habe sich erkältet, da sie am Montag bald imWaschhause, bald in der Küche angestrengt gearbeitet und sich10 bald wieder dem Zugwinde ausgesetzt hatte. Am Mittwoch holteich den Arzt, der uns erklärte, die liebe Mutter habe die Lungen-entzündung. Du kannst Dir nun denken, in welcher Angst wir unsbefinden. Darum, liebe Tante, bitten wir Dich, sofort zu uns zukommen.
15 In der Erwartung, Dich morgen bei uns zu sehen, grüssen wirDich aufs herzlichste.
Deine
jßi Anna.
253. Eine Schwester schreibt dem Bruder nach Hause.
B . . ., den.
20 Mein lieber Bruder!
Es sind zwar erst vier Wochen, seit ich unser väterliches Hausverlassen habe; aber ich kann es Dir nicht beschreiben, wie langmir diese Zeit geworden ist. Ganz besonders lebe ich in grosserSorge um unsere liebe Mutter, die sich ja schon seit langem unwohl25 befand und auch noch nicht recht gesund war, als ich von Euchschmerzlichen Abschied nahm. Schreibe mir recht ausführlich, wiees ihr jetzt geht und ob sie noch immer des Arztes bedarf. —Sobald ich meinen Lohn erhalte, werde ich ihr einen Teil davonschicken, und ich will deshalb recht sparsam sein. Sei du recht30 besorgt für sie und betrübe sie nie! Denn siehe, fern von den liebenUnsrigen fühlen wir es doppelt schmerzlich, wenn wir ihnen jemalswehe getan haben. — Dann teile mir auch mit, wie es Dir gehtund was es sonst Neues bei Euch gibt.
Mit einer baldigen, ausführlichen Antwort wirst Du eine herz-35 liehe Freude machen
Deiner Schwester
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Rosina Frank.