10. Da spottet der andre mit steigendem Hohn:
„Du elender Feigling, des Manlius Sohn!
Willst du mir nicht stehen, so reiße nun ausUnd bringe dein Milchgesicht sauber nach Haus!"
11. Der Jüngling entfärbt sich, wird blaß, wie der Tod,Und dann wie der dunkelste Purpur so rot;
Es rauscht in dem Ohr ihm, wie Zinken und Horn;
Mit Riesengewalt übermannt ihn der Zorn.
12. Die Gefährten, sie warnen mit flehendem BlickUnd halten ihn mit der Gebärde zurück;
Da berührt mit der Ferse den Renner er schonUnd brauset im wirbelnden Staube davon.
13. Der Mann und der Jüngling, verblendet von Wut,Sie fallen sich an, und sie lechzen nach Blut;
Da gleiten die Speere; sie fehlen den StoßUnd stürzen vorüber und wenden das Roß.
14. Der Römer hat schnell seinen Renner gekehrt,Gewendet sich halb das latinische Pferd;
Da trifft mit dem Speer er's dicht hinter dem Ohr;
Wild springt es mit blutenden Nüstern empor
15. Und wirft den Latiner zur Erde; der liegtUnd richtet sich auf, an die Lanze geschmiegt;
Da fährt ihm der römische Speer ins Genick,
Und sinkt er gemach an die Erde zurück.
16. Der Römer springt ab und enthelmt ihm das HauptUnd entharnischt die Schulter ihm. Nackt und beraubtStarrt hohl der erlegte, verlorene Mann
Mit den irren, erlöschenden Blicken ihn an.
17. Schon eilen die jubelnden Freunde herbei.
Was verstummen sie mitten im Freudengeschrei?
Sie halten die schnaubenden Tiere zurück
Und meiden des Siegers frohlockenden Blick.
18. Der Jüngling erstaimt und erschrickt und erwacht;
Er hat sich mit ihm um das Leben gebracht.
Kühl schaudert es ihn in der sonnigen Luft,
Und der strahlende Tag wird ihm schwarz, wie die Gruft.
19. Von der schattigen Schwinge des Todes berührtUnd bald vor den Vater in Banden geführt,
Ein rühmlicher Sieger, — der Schuld sich bewußtUnd der Sühne begehrend in eigener Brust!