20. Still sammelt der Jüngling die fliehende Kraft ■
Er hat seine Geister zusammengerafft;
Die zagen Gedanken, er schüttelt sie fortUnd tröstet die Freunde mit männlichem Wort:
21. „Mein Haupt ist verwirkt, und was ist es denn mehr?Ich bin nur ein einzelner Mann in dem Heer.
Begleitet mich alle zum strengen Gericht!
Schaut mir in die Augen! Ich-fürchte mich nicht.
22. Mit den Blättern der Eiche bekränzt mir das Haupt,Daß es falle, mit grünender Ehre belaubt!
Und den schimmernden Helm und die glänzende Wehr,
Tragt meine Trophä'n wir voran auf dem Speer!
23. Greif aus, du mein edles, mein feuriges Tier,
Und laß mich noch einmal verwachsen mit dir!
Du letzte der Sonnen, wie spiegelst du schönDich in meinen ersten, ersehnten Trophä'n!"
K. F. Meyer.1825—1898.
274. Orgetorix.
(58 vor Chr.)
I.
standen im Ring auf grasiger AuHelvetiens Mannen aus jeglichem Gau,
Die Mannen vom ganzen Land;
Sie standen beisammen in Waffen und Wehr;Die wuchtige Keule, den spitzigen Speer,
Die hatte jeder zur Hand.
2. Und mitten im Ringe, flammenden Blicks,Da stand der Häuptling Orgetorix
Und sprach mit beredtem Mund:
„Was weilen wir hier im kargen Tal?
Was bauen nur Hütten auf schwankem Pfahl?Hört, was ich euch rate zur Stund'!
3. Wir stecken die morschen Hütten in Brand;Wir ziehen hinunter ins gallische Land;
Wir ziehen mit Weib und Kind.
Wer trotzt wohl unserer Keulen Wucht?
Wir jagen die Memmen in die Flucht,
Wie die Spreite des Kornes der Wind.