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283. Tonga.
lUms Jahr 800.)
Sm Kloster lebte zu St. GallenEin Meister vor den Meistern allen;
Er goß, in jedem Ding gewandt,
Die ersten Glocken auch im Land.
2. Der Kaiser KarU, als er's vernommen,
Ist selbst zu ihm ins Kloster kommen;
Er hörte der Glocken vollen Klang;
Sie mußten ihm ziehen jeden Strang.
3. Drauf ließ er sich auch eine gießen,
Ließ einen Zentner Silber fließen;
Doch Tongo verbarg das Silber hellUnd mischte Kupfer an dessen Stell'.
4. Sonst war die Glocke schön vollendetUnd jede Zier an sie verschwendet.
Der Meister freut sich still der List,
Hängt sie zur Probe ins Gerüst.
5. Er steht, sie innen zu beschauen,
Sogleich darunter, voll Vertrauen;
Doch sieh, er fand drin sein Gericht:
Die Krone reißt und springt und bricht.
6. Die Glocke stürzt ins Loch zurückeUnd bricht dem Meister das Genicke.
Da sprach der Abt, er sprach's nicht gern:
„Das Unrecht schlägt den eignen Herrn"!
Augustin Keller.-8« 1805—1883.
284. Klein Roland.
j^rau Berta saß in der Felsen-kluft ;
Sie klagt' ihr bittres Los.
Klein Roland spielt' in freier Luft;Des Klage war nicht groß.
2. „O König Karl, mein Bruder hehr,O daß ich floh von dir!
Um Liebe ließ ich Pracht und Ehr';Nun zürnst du schrecklich mir.
3. O Milvn, mein Gemahl so süß,Die Flut verschlang mir dich.
Die ich um Liebe alles ließ,
Nun läßt die Liebe mich.
4. Klein Roland, du mein teures
Kind,
Nun Ehr' und Liebe mir,
Klein Roland, komm herein geschwind!Mein Trost kommt all von dir.
' Karl der Große war damals mit dem Bau des Domes in Aachen beschäftigt.