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* 5. Klein Roland, geh zur Stadthinab,
Zu bitten um Speis' und Trank!
Und wer dir gibt eine kleine Gab', >Dem wünsche Gottes Dank"! !
6. Der König Karl zur Tafel saß j
Im goldnen Rittersaal; !
Die Diener liefen ohn' Unterlaß ]
Mit Schüssel und Pokal.
7. Von Flöten, Saitenspiel, GesangWard jedes Herz erfreut;
Doch reichte nicht der helle KlangZu Bertas Einsamkeit.
8. Und draußen in des Hofes Kreis,Da saßen der Bettler viel;
Die labten sich an Trank und Speis'Mehr, als am Saitenspiel.
9. Der König schaut in ihr Gedräng'Wohl durch die offne Tür;
Da drückt sich durch die dichte Meng'Ein feiner Knab' herfür.
10. Des Knaben Kleid ist wunder-
bar,
Vierfarb zusammengestückt;
Doch weilt er nicht bei der Bettlerschar;Herauf zum Saal er blickt.
11. Herein zum Saal klein Roland
tritt,
Als wär's sein eigen Haus;
Er hebt eine Schüssel von Tisches Mitt'Und trägt sie stumm hinaus.
12. Der König denkt: „Was muß
ich sehn?
Das ist ein sondrer Brauch".
Doch weil er's ruhig läßt geschehn,So lassen's die andern auch.
13. Es stund nur an einekleineWeil';Klein Roland kehrt in den Saal;
Er tritt zum König hin mit Eil'
Und faßt seinen Goldpvkal.
14. „Heida!Haltan,dukeckerWicht"!Der König ruft es laut;
Klein Roland läßt den Becher nicht;Zum König auf er schaut.
15. Der König erst gar finster sah;Doch lachen mußt' er bald:
„Du trittst in die goldne Halle da,Wie in den grünen Wald.
16. Du nimmst die Schüssel von
Königs Tisch,
Wie man Äpfel bricht vom Baum;Du holst, wie aus dem Brunnen frisch.Meines roten Weines Schaum".
17. „„Die Bäurin schöpft aus dem
Brunnen frisch;
Die bricht die Äpfel vom Baum;Meiner Mutter ziemet Wildbret undFisch.
Ihr roten Weines Schaum"".
18. „Ist deine Mutter so edle
Dam',
Wie du berühmst, mein Kind,
So hat sie wohl ein Schloß lustsamUnd stattlich Hvfgesind'.
19. Sag' an, wer ist denn ihr
Truchseß?
Sag' an, wer ist ihr Schenk" ? —„ „Meine rechte Hand ist ihr Truchseß;Meine linke, die ist ihr Schenk"". —
20. „Sag' an, wer sind die Wächter
treu" ? —
„„Meine Augen blau allstund"". —„Sag' an, wer ist ihr Sänger frei" ? —„„Der ist mein roter Mund"". —
21. „Die Dam' hat wackre Diener,
traun!
Doch liebt sie sondre Livrci,
Wie Regenbogen anzuschaun,
Mit Farben mancherlei". —
22. „„Ich hab' bezwungen der
Knaben acht
Aus jedem Viertel der Stadt;
Die haben mir als Zins gebrachtVierfältig Tuch zur Wat"".*
Wat: Kleidung.