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Band I.
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296. Der Ring von Hallwil.

(Ums Jahr 1270.)

AAas schmettern die TrompetenZu Hallwil auf dem Schloß?

Im Hofe stampfen Rosse;Gewappnet ist der Troß.

Und der die Tränen immerWie Perlen hat gespart.

Was weint Herr Ritter UlrichIn seinen grauen Bart?

2. Sein letzter Sohn. Herr Walter,Des Hauses einz'ger Sproß,

Will ziehn nach PalästinaZum Streit mit Mann und Roß;Der Oheim schlau im Kloster.

Der gab's dem Junker ein;

Die Mönche möchten ErbenDas Hauses Hallwil sein.

3. Doch als es kam zum Scheiden,Da übermannt's den Greis;

Er nimmt den Ring der AhnenUnd tritt damit in Kreis;

Er zeigt ihn in die Runde;

Dann bricht er ihn entzwei;

Er gibt ein Stück dem SohneUnd tut den Schwur dabei:

4. „Bei Sankt Georg! Es erbeNur der mein Schloß und Twing,Der einst zurücke bringet

Dies Stück zu meinem Ring!

Ihr seid vor Gott mir ZeugenFür dieses Testament;

Du, Schreiber, schreib es niederAufs beste Pergament"!

5. Der Schreiber schrieb es nieder.Der Sohn zog übers Meer.

Sie schlugen wilde Schlachten;

Die Pest verschlang das Heer.

Es schwanden viele Jahre.

Und keine Kunde kam.

Herr Ulrich stieg zu Grabe,Gebrochen von dem Gram.

6. Der Oheim denkt im Kloster:„Nun ist das Erbe mein"!

Er richtet gleich im SchlosseEin fröhlich Kloster ein.

Sie singen kurze MessenUnd sitzen lang bei Tisch;

Sie trinken gute WeineUnd essen Fleisch und Fisch.

7. Da trat ein hoher RitterEinst plötzlich in den Saal:

„Grüß Gott. Herr Abt! Ich kommeGrad recht zum Mittagsmahl!Schön Dank, daß Ihr gehütet

So traulich habt mein Haus!j Doch schließet jetzt die Tafel!l Die Wirtschaft ist nun aus".

8. Herr Walter zieht zum ZeichenDen halben Ring hkrfür;

Der Abt will ihn nicht kennenUnd weist ihm stolz die Tür:

„Der Ring ist lang geründet;*

Was soll dein falscher Tand?

> Ein Pilger bracht' den echtenUns aus dem Morgenland".

9. Der Ritter suchet ZeugenFür sein verbrieftes Recht;

Im Birrhard lauern Meuchler;

Es gibt ein hart Gefecht;

Der Hallwil stürzt vom PferdeUnd kämpft in letzter Not;

Da rettet den BedrängtenHerr Mülinen vom Tod.

10. Jetzt muß das Schwert ent-

scheiden.

Herr Walter steigt zu Roß;

Er ruft sie in die SchrankenNach Aarau vor das Schloß.

Sie nehmen an die Ladung;

Doch freuten sie sich schlecht;

Sie hießen den von RüßeggAls Schirmherrn stehn ins Recht.

’ d. h. der Ring ist durch die dem wirklichen Sohne gegebene Hälfte, die Uns ge-bracht wurde, längst wieder vollständig und rund geworden.