Band 
Band I.
Seite
431
JPEG-Download
 

431

„Den Zwingli laß ich nicht im Stich,

Und kommt ihr mit, so freut es mich".

5 Da griffen mit dem Herren wert

Von Küsnacht dreißig frisch zum Schwert;

Mit Mann und Roß im MorgenrotStieß ab das kriegsbelad'ne Boot.

Trag schlich der Tag; dann durch die Nacht10 Flog Kunde von Verlorner Schlacht.

Von drüben rief der Horg'ner Turm;

Bald stöhnten alle Glocken Sturm,

Und was geblieben war zu Haus,

Das stand am See, lugt' angstvoll aus.

15 Am Himmel kämpfte lichter ScheinMit schwarzgeballten Wolkenreihn.

„Hilf Gott! Ein Nachtgespenst"! Sie sahnEs drohend durch die Fluten nahn.

Wo breit des Mondes Silber floß,

20 Da rang und rauscht ein mächtig Roß,

Und wilder schnaubt's, und näher fuhr's.

„Hilf Gott! Der Rappe des Komturs"!

Nun trat das Schlachtroß festen Grund;

Die bleiche Menge stand im Rund.

25 Zur Erde starrt' sein Augenstern,

Als sucht' es dort den toten Herrn.

Ein Knabe hub dem edlen TierDie Mähne lind: „Du blutest hier"!

Die Wunde badete die Flut;

30 Jetzt überquillt sie nun von Blut,

Und jeder Tropfen schwer und rotVerkündet eines Mannes Tod.

Die Komturei mit Turm und TorRagt weiß im Mondesglanz empor.

35 Heim schritt der Rapp das Dorf entlang;

Sein Huf wie über Grüften klang;

Und Alter, Witwe, Kind und MaidZog schluchzend nach wie Grabgeleit.

Konrad Ferdinand Meyer.1825—1898.

Leiter der Disputation in Bern und predigte einmal im Münster. Er fiel mit 35andern aus der Kirchgemeinde Küsnacht bei Kappe! am 11. Okt. 1531. Siehe „ZürcherTaschenbuch" vom Jahr 1897.