Band 
Band I.
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309. Der Feldpostbrief.

(Aus dem „Neuen deutschen Balladenschatz". Scher!, Berlin.)

1. Was rinnt dem alten Bauers-

mann

Die Träne von der Wang' ?

Was lauscht im Sessel gramerfülltDie Bäuerin so bang?

Der Alte liest ihr stockend vor;

Wie oft versagt der ToniEs ist ein Brief aus Afrika,

Ein Brief vom einz'gen Sohn.

2. Er schreibt: „Heut' wird bei

Euch

Zu Haus der Weihnachtsbaum geziert.Bei uns gibt's diesmal keinen Baum;Heut abend wird marschiert.

Drei Wochen sind wir unterwegs.Bald ist's genug, weiß Gott!Tagtäglich weiter in den Busch,Voraus der Hottentott.

3. Zumeist vor uns, doch neben

uns

Mitunter leider auch,

Da fliegt wohl, eh' man sich's versieht,Die Kugel aus dem Strauch.

Und wie sie kamen, sind sie fortAuf Wohlvertrautem Pfad,

Und neben mir liegt tot im SandManch braver Kamerad.

4. Doch jetzt marschieren wir viel-

leicht

Nur noch den einen Tag;

Dann haben wir sie eingekreist;Dann fällt der große Schlag.

Dann geht's zurück ins Hauptquartier,Wenn wir vollbracht den Streich.Ein Weihnachtspäcklein find' ich dort,So Gott will, vor von Euch.

5. Eh' wir nun gehen, denk' ich

still

Ans ferne Vaterhaus

Und spreche mich in diesem Brief

Mit meinen Lieben aus.

Kann sein, daß ich zu Ostern schonEuch alle wiederseh'.

Doch jetzt ertönt das Marschsignal!Gott sei mit uns! Ade" !

6. Was rinnt dem alten Bauers-

mann

Die Träne von der Wang'?

Was lauscht im Sessel gramerfülltDie Bäuerin so bang?

Der hält den letzten Brief des SohnsIn seiner welken Hand.

Der Sohn, der ruht, ein stiller Mann,Im afrikan'schen Sand.

Eduard Morasch.

310. Hausbrot.

8n Reihen lagen, blaß und fahl,Bourbaki-Soldaten im Hospital,

Gefangen, mit Wunden, schwach und schwank;Auch ein einziger Sohn, zu Tode krank.

5 „Gruß dir, mein Sohn"! — „Ei, Vater, du!Du hier? Wie kam dir die Kunde zu" ?„Genug, sie kam! Nun bin ich da;

Nun sei getrost! Ich bin dir nah!

Schmid, Lesebuch I, 2. Aufl.

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