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Band I.
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312. Die kleine Passion.

lÜer sonnige Duft, Septemberluft,

Sie wehten ein Mücklein mir aufs Buch;

Das suchte sich die Ruhegruft

Und fern vom Wald sein Leichentuch.

5 Bier Flügelein von Seiden feinTrug's auf dem Rücken zart,

Drin man im RegenbogenscheinSpielendes Licht gewahrt.

Hellgrün das schlanke Leibchen war,

10 Hellgrün der Füßchen dreifach Paar,

Und auf dem Köpfchen wundersamSaß ein Federbüschchen stramm;

Die Äuglein wie ein goldnes ErzGlänzten mir in das tiefste Herz.i» Dies zierliche und manierliche WesenHatt' sich zu Gruft und LeichentuchDas glänzende Papier erlesen,

Darin ich las, ein dichterliches Buch;

So ließ den Band ich aufgeschlagen20 Und sah erstaunt dem Sterben zu,

Wie langsam, langsam, ohne KlagenDas Tierlein kam zu seiner Ruh'.

Drei Tage ging es müd' und mattUmher auf dem Papiere;

25 Die Flügelein von Seide fein,

Sie glänzten alle viere.

Am vierten Tage stand es stillGerade auf dem Wörtlein „will";

Gar tapfer stand's auf selbem Raum,

30 Hob je ein Füßchen wie im Traum;

Am fünften Tage legt' es sich;

Doch noch am sechsten regt' es sich;

Am siebten endlich siegt' der Tod;

Da war zu Ende seine Not.

35 Nun ruht im Buch sein leicht Gebein, ^Mög' uns sein Frieden eigen sein!

* cö*

Gottfried Keller.1819 — 1890 .