451
Laßt brennen mein Haus und eilet zum Turm8b — Seht dort die Wolke — und läutet Sturm,Daß alles Volk zum Lande kehr',
Eh' Sturm erregt das wilde Meer"!
Da schauen die Leute die Wolke erschrecktUnd sagen: „Die Frau hat Gott erweckt"!
SO Und rennen in Eile hin zum TurmUnd lallten aus Leibeskräften Sturm.
Da floh das Husumer Volk vom Eis;
Sie gaben die Zelte, die Buden preis;
Denn fernher kam das Meer schon weiß;
95 Hoch über dem jagenden, flüchtenden VolkeVerbreitet sich fliegend des Sturmes Wolke.
Hei, wie er die leichten Buden, die ZelteHinwarf und zerschellt in die Welt hinschnellte!Sturmvögel kamen mit Schreien geflogen;
100 Der ganze Himmel war schwarz umzogen;Darunter im Sturm der Springflut Wogen.Man hörte sie schon bis her zum Strande,
Und als der letzte Mann am Lande,
Hob, wie aufatmend, das Meer in der Bucht105 Weithin mit Gedonner des Eises Wucht.
Wie von springenden Rossen ein wildes Heer,Sprang Brandung, Sturm auf Sturm, daherUnd wogte zu Trümmern den Spiegel, der ebenNoch trug des Volkes fröhliches Schweben,
110 Zerbrach ihn und türmte und rollte im LaufEin Gebirg' von Schollen am Ufer herauf.
So tobte der Sturm die ganze NachtUnd schwieg erst, als Gott Tag gemacht.
Und als die Sonne stieg empor,
115 Da sammelte sich das Volk zum ChorUnd sangen Lieder und priesen Gott,
Der sie errettet aus solcher Not.
Alt Mütterchens Haus war niedergebrannt;Doch als ihre Tat ward stadtbekannt,
120 Da sah man das ganze Volk hinkommen,
Wo gute Leute sie aufgenommen.
Der Bettler, der Bürgermeister nicht minder,
Sie nannten sich alle alt Mütterchens Kinder;War ohne sie doch alles verloren;
125 Sie hatte sie alle neu geboren;