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10. Entstelzt bin ich fast nur so groß, wie ein Kind;
Und das ist, wenn ich einst sterbe,
Ein Umstand, bei dem meine Hausfrau gewinnt:
Mein Sarg schmälert minder das Erbe.
11. Schlaft wohl denn! Mein Hüttchen ist hier nicht mehr weit;Lebt immer, wie ich, fein zufrieden"!
So sprach er mit herzlicher LustigkeitUnd pfiff sich ein Lied, als wir schieden.
Aug. Fried. Ernst Langbein1751—1835.
331. Johann, der muntre Seifenfteder.
Johann, der muntre Seifensieder,Erlernte viele schöne LiederUnd sang mit unbesorgtem SinnBom Morgen bis zum Abend hin.
5 Und wann er sang, so war's mit Lust,Aus vollem Hals und freier Brust.Beim Morgenbrot, beim AbendessenBlieb Ton und Triller unvergessen;Der schallte recht, und seine Kraft1V Durchdrang die ganze Nachbarschaft.Man horcht; man fragt: „Wer singtschon wieder?
Wer ist's" ? — Der muntre Seifen-sieder.
15 Es wohnte neben diesem anEin reicher, fauler, feister Mann,Der, stolz und steif und lächerlich,Im Schmausen keinem Fürsten wich,Ein Mann, der manche schöne Nacht20 Beim Mahl, bei Spiel und Weindurchwacht.
Kaum hatte mit den MorgenstundenSein erster Schlaf sich eingefunden,So ließ ihm den Genuß der Ruh'25 Der nahe Sänger nimmer zu.
„Zum Henker! Lärmst du dort schonwieder,
Vermaledeiter Seifensieder?
Ach, wäre doch zu meinem Heil30 Der Schlaf hier, wie die Austern, feil" !
Den Sänger, den er früh ver-nommen,
Läßt er am Morgen zu sich kommenUnd spricht: „Mein lustiger Johann!
Wie geht es Euch? Wie fangt Jhr's an? 36Ein jeder rühmt mir Eure Ware;
Sagt, wie viel bringt sie Euch imJahre" ?
„Im Jahre, Herr? Mir fällt nicht
bei, 40
Wie groß im Jahr mein Vorteil sei.
So rechn' ich nicht; ein Tag bescheret,Was der, so auf ihn kommt, verzehret.Das folgt im Jahr (ich weiß die Zahl)Dreihundertfünfundsechzig Mal". 45
„Ganz recht; doch könnt Ihr mirnicht sagen:
Was pflegt ein Tag wohl einzu-tragen" ? —
„Mein Herr, Ihr forschet allzusehr; 50Der eine wenig, mancher mehr,
So wie's denn fällt. Mich zwingt zurKlage
Nichts, als die vielen Feiertage;
Und wer sie alle rot gefärbt, 55
Der hatte wohl, wie Ihr, geerbt;
Dem war die Arbeit sehr zuwider;
Der war gewiß keiu Seifensieder".