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Band I.
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339. Das Gewitter.

^^rahne, Großmutter, Mutter und KindIn dumpfer Stube beisammen sind.

Es spielt das Kind; die Mutter sich schmückt;

Großmutter spinnet; Urahne gebücktSitzt hinter dem Ofen im Pfühl.

Wie wehen die Lüfte so schwül!

2. Das Kind spricht: „Morgen ist's Feiertag;

Wie will ich spielen im grünen Hag!

Wie will ich springen durch Tal und Höhn!

Wie will ich pflücken viel Blumen schön!

Dem Anger, dem bin ich hold"!

Hört ihr's, wie der Donner grollt?

3. Die Mutter spricht: „Morgen ist's Feiertag;

Da halten wir alle fröhlich Gelag;

Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;

Das Leben, es hat auch Lust nach Leid;

Dann scheint die Sonne, wie Gold"!

Hört ihr's, wie der Donner grollt?

4. Großmutter spricht: „Morgen ist's Feiertag;Großmutter hat keinen Feiertag;

Sie kochet das Mahl; sie spinnet das Kleid;

Das Leben ist Sorg' und viel Arbeit;

Wohl dem, der tat, was er sollt'"!

Hört ihr's, wie der Donner grollt?

5. Urahne spricht: „Morgen ist's Feiertag;

Am liebsten morgen ich sterben mag;

Ich kann nicht singen und scherzen mehr;

Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer;

Was tu' ich noch auf der Welt" ?

Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?

6. Sie hören's nicht; sie sehen's nicht.

Es flammet die Stube, wie lauter Licht;

Urahne, Großmutter, Mutter und KindVom Strahl miteinander getroffen sind;

Vier Leben endet ein Schlag,

Und morgen — ist's Feiertag. Gustav Schwab.

_ ' 1792—1850.

Anmerkung: Der „Schwab. Merkur" berichtete 1828 in Nr. 63: „Am 30. Junischlug der Blitz in ein von zwei armen Familien bewohntes Haus der Württember-gischen Stadt Tuttlingen und tötete von zehn Bewohnern desselben vier Personenweiblichen Geschlechts: Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Töchterchen, die erste71, das letzte 8 Jahre alt".