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360. Die Weiden am Bache.
Es stehen ;wei Weiden am plätschernden Bach;Die schliefen wie tot; nun sind sie wach;
Nun haben sie offen die ÄugeleinAnd blicken munter ins Wasser hinein.
5 Sie treiben aus ihrem grünen HausDie flockigen, wolligen Blüten herausAnd sagen: „Der liebe Leu; will kommen!
Er hat uns die Binde vom Auge genommen".
Km Mittag kam ein Bienchen geflogen,
10 Hat an den Blüten sich satt gesogen;
Dann sprach's: „Dank für die erste Gabe!
Jetzt eil' ich, datz ich die Rönigin labe.
And morgen, wenn wehet ein linder Hauch,
So kommen die lieben Schwestern auch,lö Gehen ?u Gaste bei euch und summen im EhorDas erste Frühlingslied euch vor"!
Die Weiden haben's gern vernommen:
„Kommt alle nur, ihr seid willkommen"!
Friedrich Hofsmann.
361. Frühlingssturm.
Wie Wipfel des Waldes durchrast der Föhn:
Da gibt es ein Ächzen und ein Gestöhn,
Ein Schwanken, ein Biegen und Brechen.
Ich stütze mich fest auf den Wanderstab;
Denn drohend kommt durch die Schluchten herabDas Donnern von schäumenden Bächen.
2. Die Bäche, die werden zu Strömen bald;
Schon hör ich ein Poltern und Tosen im Wald;
Das dröhnet wie Hochlandes Grüßen.
Den Riesentannen mit ihrem StolzSchleudern sie Felsen und splitterndes HolzUnd krachende Trümmer zu Füßen.
3. Wie Kunde von nahender Lenzespracht,
Wie rasende Freude durchbraust es die Nacht:
„Der Frühling, der Frühling wird kommen"!
Ja — bald wird er kommen mit Sang und Klang,Und bald ist auch, was mich drückte so lang,
Wie Schneeflut von dannen geschwommen.
Johannes Stauffacher.1850.
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