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Band I.
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362. Frühling.

nd endlich wacht die Sonne droben aufUnd ruft dem Frühling zu: „Du, schieb einmalDie grauen Wolken mir vom Himmel fort"!Der Frühling tut's, und seht, da lacht sie wiederAuf ihrem blauen Thron, die prächt'ge Sonne!

Und wie ihr Strahl so wunderwarm zur ErdeHerniederfällt, gleich schmelzen Schnee und Eis,

Und Keim auf Keimchen kriecht aus schwarzem Acker,

Und Knosp' an Knospe glänzt an jedem Zweig;

Die Erde fei'rt ihr Auferstehungsfest. —

Doch noch ein schönres AuferstehungsfestBegeht der Mensch. Rings aus den Kirchen schalltDer Festgesang: „Der Heiland ist erstanden"!

Und alles feiert froh den Ostertag. —

Und selbst den Kindern muß ihr Teilchen FreudeBescheret werden. Draußen in den ÄstenBon Busch und Dorn, im Hund- und Hühnerstall:

Was liegt denn da versteckt so rot und blauUnd gelb und violett und bunt gemasert?

Die Ostereier sind's, und der sie legte,

Das ist der Osterhas, und wer's nicht glaubt,

Der frag' ihn selber; sagt er „ja" dazu,

So wird es wohl so sein; doch sagt er nichts,

So denket, was ihr wollt, und sucht nur zu,

Solang ihr findet! Wohl bekomm' es euch!

Robert Reinick.1805—1852.

363. Lenz«s-8oten.

(5ott grüß euch, ihr Veilchen am sonnigen Rain ISo früh schon? — Nun wohl, das heißt pünktlich sein IHat Meister Frühlings belebende MachtSchon jetzt geschmückt euch mit Schönheit und Pracht?

5 Herr lvinter, wills scheinen, hielt treue Hut;

Hn seinen Gemächern habt sanft ihr geruht.

Gar sorglich er hat seine pflichten erfüllt,

Die Rinder Frau Florens sauber gehülltHn mollige Decken wunderbar zart,

10 Hn Flaum und in Daunen eigener Art!

Doch jetzt lacht Frau Sonne sachte, ganz leisAuf Frühlings, des Zauberers, drängend Geheiß