Band 
Band I.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

40 Und wird mi Bürstli meisterlos und meint,

Es seyg der Heer im Huus, se hebt sie b'herzt

Der Finger uf und fürcht ihr Büebli nit

Und seit: „Weisch nit, was hinterm Spiegel steckt"?

Und 's Büebli folgt und wird e brave Chnab.

45 Jetz göhn mer wieder lviters um e Huus.

Zivor Chinder gnueg, doch wo me luegt und luegt,Schwankt wit und breit ke Wiehnechtchindlibauin.

Chumm, weidli chumm, do blibe mer nit lang!

O Frau, wer het di Muetterherz so g'chüelt?

50 Berbarmt's di nit, und goht's der nit dur d'Seel,

Wie dini Chindli, wie di Fleisch und BluetVerwildern ohni Pfleg und ohni ZuchtUnd hungrig bi den andre Chinde stöhnMit ihre breite Ruufe, schüüch und fremd?öb Und Wy und Kafst schmeckt der doch so guet!

Doch lueg im vierte Huus, daß Gott erbarm,

Was hangt am grüene Wiehnechtchindlibauin?

Viel stachlig Laub und näume zwischedrinnNe schrumpfig Öpfeli, ne dürri Nuß!

60 Sie inöcht und het's nit, nimmt ihr Chind uf d'SchlvßUnd wärmt's am Buese, lueget's a und briegt;

Der Engel stüürt im Chindli Träne-n-i.

Sell isch nit g'fehlt; 's isch mehr als MarzipanUnd Zuckererbsli. Gott im Himmel sieht's65 Und het us mengen: arme Büebli dochE brave Ma und Vogt und Richter g'machtUnd us ein Töchterli ne bravi Frau,

Wenn's numme nit an. Zucht und Warnig fehlt.

I. P. Hebel.1760-1826.« 4 -

378. Die Kinder an das scheidende Jahr.

s schallt Geläute durch die Winternacht^1 In ernstein Tone von den Türmen nieder,fj Hat denn das Jahr schon seinen Lauf vollbracht?Wir grüßten's erst, und ach, schon scheidet's wieder!

Warum denn, freundlich' Jahr, ivarum die Hast?

Verweil' ein bißchen noch als lieber Gast,

So lange nur, bis wir gedankt dir habenFür deine Gaben.