Band 
Dritter Teil.
Seite
190
JPEG-Download
 

190

Felsland. Vorherrschend eben, oft in Hügelschwellungenübergehend, macht es den Eindruck eines aus dem Meereaufgetauchten Landes; denn noch hat es seinen ursprünglichenCharakter als Seeboden in keiner Weise überwunden. Inungeheurer Ausdehnung, in unglaublichen Massen tritt hierdas Urgestein auf und trotzt den zerstörenden Einflüssen desnordischen Klimas. Während anderswo die Felsen zer-bröckelt und in Ackerkrume verwandelt sind, ausder die Kultur keimt, starren uns hier die Granit-, Gneis-,und Porphyrblöcke an und bilden ein wildes Durcheinander,worin der Mensch um das Dasein ringen muß.

Moose und Gräser, Farnkräuter und allerlei kleinesPflanzengestrüpp, Preisei- und Blauheeren, Porst, eine fort-pflanze mit widerlich riechenden Blättern und Wachholderbedecken die Felswüste wie mit einem einzigen Teppich.Darüber erhebt sich der Wald, im Süden herrliche Buchen undEichen, in der Mitte ein Gemisch von Fichten, Kiefern, Erlenund Birken, im Norden Zwergbirken. Zu unterst das starrendeFelsgetrümmer, gehüllt in den Pflanzenteppich, der es pelz-artig überzieht, und dann der Baumwald: diese drei Formenim Verein bilden den schwedischen „skog“, den Feind allerKultur. Während „skog“ den schwedischen Urwald, bezeich-net „lund“ den reinen, aus fruchtbarem Erdreich sprießendenBaumwald. Der „skog“ ist gleichsam das Kleid des schwedi-schen Landes, das ursprüngliche, angeborne. Er überzieht dasLand von der Hügelebene Schönens ah bis zu den EinödenLappmarkens. Alles übrige ist die Ausnahme, gleichsam dasZufällige.

Als solche Ausnahmen treten zunächst die Seen auf. DieZahl derselben ist so groß, daß sie nur noch von der desfinnischen Landes übertreffen wird; sie nehmen mehr alsden achten Teil des ganzen Gebietes von Schweden ein.Immer hegen sie inmitten des meilenlangen Waldes, still undheimlich, verlassen und einsam wie ein tote?: Meer. An denUfern wächst stets Rohr und Schilf, selten erblickt man ein