Band 
Dritter Teil.
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kaufen und von der Hauptstadt aus durch die ganze Weltvertreiben. Die Rosenernte dauert von Mitte Mai bis MitteJuni, aber nur in den Morgenstunden jeden Tages; dennwenn die Sonne einige Stunden auf die Rosen scheint, ver-flüchtigt sich das öl; um die Mittagszeit enthalten dieselbenkaum den dritten Teil des Öles, das ihnen heim Morgengrauenihren starken Duft verlieh. Bei der Rosenernte trifft alsodas Sprichwort: ,Morgenstund’ hat Gold im Mund“ buch-stäblich ein; denn man weiß, daß jedes Gramm Rosenölein Goldstück wert ist. Sobald am Himmel das Morgenrotsichtbar wird, ist in den Dörfern des Bezirks Kasanlik dieganze Bevölkerung auf den Beinen. Mit dem ersten Sonnen-strahl beginnt das Pflücken der in der Nacht neu erblühtenRosen. Die Arbeit wird mit großer Emsigkeit bis gegen achtUhr vormittags fortgesetzt, an sonnenlosen Tagen auch bis10 Uhr. Dann werden die Rosen in den Destillierkessel ge-schüttet, oder, wenn alle Kessel bereits voll sind, in denKeller gestellt und von Zeit zu Zeit mit kühlem Wasser be-spritzt, damit sie den Duft nicht verlieren. Der Destillier-kessel ist ein großes Kupfergefäß mit hutförmigem Deckel,an den sich das Destillierrohr anschließt. Dieses führt ineinen Kübel kalten Wassers, dergestalt, daß die Rohrwindungenhalb im Wasser sind und halb in der Luft.

Bei der Destillation der Rosenblüten streicht nun derWasserdampf durch das Destillierrohr, und das verflüch-tigte Rosenöl wird in den abgekühlten Rohrwindungen wiederflüssig. Die bei der ersten Destillation gewonnene Flüs-sigkeit ist ein Gemisch aus viel unreinem Wasser und wenigÖl. Dieses Gemisch wird dann noch ein zweites Mal destil-liert, wobei die unreinen Beimischungen verschwinden. Nunfüllt man das Produkt in weithalsige Vasen und stellt esin den Keller. Da das Rosenöl ein niedrigeres spezifischesGewicht hat als das Wasser, steigt es alsbald an die Ober-fläche empor und bildet eine Ölschicht von zwei bis dreiMillimeter Dicke. Diese Schicht muß nun abgenommen werden.