Band 
Dritter Teil.
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Auch das geschieht ohne irgend welche Maschinen. DieBauern rahmen sozusagen das Rosenwasser ab und ent-fernen das Rosenöl, wie man von der Milch den Rahm abnimmt.

Die Händler achten bei dem Ankaufe des Öls in ersterLinie auf die Reinheit des Produktes. Je mehr Wasser nochdem Rosenöle beigemischt ist, um so niedriger ist der Preis.Dieser schwankt zwischen 800 und 1500 Franken für dasKilogramm. Doch ist freilich die Ausbeute sehr gering. EinHektar Rosengarten liefert etwa drei Millionen Rosenblüten,und diese geben ungefähr ein Kilogramm Rosenöl; denn jedeRose enthält im Durchschnitt nur ein dreitausendstel GrammRosenöl.

Freilich ist dabei zu bedenken, daß weder die Kulturnoch die Destillation der Rosen nach rationellen Grundsätzenerfolgt. Man läßt die Rosensträucher wild wachsen, fastohne jede Pflege. Sie werden über zwei Meter hoch undbilden ein unentwirrbares Dickicht, das die Rosenernte sehrerschwert. Im Herbste treibt man ein Joch Ochsen mit einemPfluge durch die Rosenwildnis und düngt die Stöcke mitein wenig Kuhdünger. Würden die Rosensträucher ordent-lich gepflegt und beschnitten, so ließe sich der Ertrag aufdas Doppelte und Dreifache steigern.

Aber auch gegenwärtig bildet die Rosenöl-Industrie eineder Haupterwerbsquellen der rumelischen Bauern am Süd-abhange des Balkans, und das Rosengeld ist den Bauernum so willkommener, als es schon im Frühjahr nach denlangen, erwerbslosen Wintermonaten eingeht. Viele Jahr-hunderte hindurch blieb die Herstellung des Rosenwassers aufden Bezirk Kazanlik beschränkt. In neuerer Zeit ist aber dasganze Hügelgelände zu beiden Seiten der Tundscha in eineneinzigen Rosengarten verwandelt worden, und auch nördlichdes Balkans, in den bulgarischen Tälern, gewinnt die Rosen-kultur beständig an Umfang. Hauptsitz des Rosenölhandelsist aber Kazanlik geblieben. (Nationalzeitung, Juni 1905.)